IAEA-Report Internationale Atombehörde besorgt über iranisches Nuklearprogramm

Tests von hochexplosivem Sprengstoff, bald 6000 Zentrifugen zur Uran-Anreicherung, dubiose Studien: Die IAEA zeigt sich in einem neuen Report besorgt über Irans Nuklearporgramm. Die Uno-Behörde fordert "substanzielle Erklärungen" - das Mullah-Regime weist alle Vorwürfe zurück.


Uran-Anreicherungsanlage im iranischen Natans: Uno erwartet "substanzielle Erläuterungen"
REUTERS/ DigitalGlobe

Uran-Anreicherungsanlage im iranischen Natans: Uno erwartet "substanzielle Erläuterungen"

Wien - Die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA halten Iran vor, wichtige Informationen über das Nuklearprogramm zurückzuhalten. Teheran müsse der Uno-Behörde noch einige "substanzielle Erläuterungen" zu möglichen Atomwaffenstudien geben, heißt es in einem Bericht, den IAEA-Chef Mohammed el-Baradei dem Weltsicherheitsrat in New York übermittelt hat.

Die noch ungeklärte Umwandlung von Uran, die Tests von hochexplosivem Sprengstoff sowie Entwicklungsstudien eines besonderen Raketensprengkopfs seien Anlass für große Besorgnis, heißt es in dem Report. Die Vereinten Nationen fordern von Iran, seine Urananreicherung zu stoppen. Das Land wird verdächtigt, diese zum Bau von Atomwaffen zu nutzen.

Doch der Mullah-Staat gibt sich unschuldig: Dem vertraulichen Bericht zufolge besteht Iran darauf, dass die gegen Teheran gerichteten Vorwürfe haltlos und "erfunden" sind. Irans Botschafter in Wien, Ali Ashgar Soltanieh, behauptete denn auch, der Report sei "ein weiteres Dokument, das zeige, dass Irans Nuklearaktivitäten friedfertig" seien.

In dem Bericht von El-Baradei steht, dass Iran auch in den vergangenen drei Monaten die Forderungen des Weltsicherheitsrats missachtet hat und die umstrittene Urananreicherung fortsetzt. "Es sind substanzielle Erläuterungen Irans nötig, um dessen bisherige Erklärungen im Zusammenhang mit den angeblichen Studien zu seinem Atomprogramm und anderen Entwicklungen mit militärischem Charakter zu begründen," heißt es weiter. So müsse Teheran vor allem ein Dokument erläutern, in dem die Produktion von Uranmetall-Kugeln beschrieben wird, die ausschließlich für den Bau von Atomwaffen verwendet werden können.

Gegenwärtig hat Teheran in seiner Atomanlage bei Natans 3500 Gaszentrifugen installiert. Bis zum Ende des Sommers sollen es 6000 werden, sagten führende Uno-Diplomaten in Wien.

EU-Chefdiplomat Javier Solana hofft, binnen eines Monats zu Gesprächen mit der iranischen Regierung nach Teheran zu reisen. Mit Außenminister Manuchehr Mottaki habe er bei einem Treffen im Libanon am Wochenende ein rasches Treffen vereinbart, sagte Solana am Montag im Brüssel nach dem Treffen der EU-Außenminister.

als/AP/dpa/Reuters



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