Ägypten Mubarak-Vertrauter Mahlab wird neuer Regierungschef

Die Gefolgsleute von Husni Mubarak kehren zurück an die Schaltstellen der Macht. Drei Jahre nach dem Sturz des Diktators in Ägypten wird sein Vertrauter Ibrahim Mahlab neuer Regierungschef. Sein Programm: "Terror vernichten".

Politiker Mahlab: Elf Jahre lang führte er Ägyptens größtes Bauunternehmen
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Politiker Mahlab: Elf Jahre lang führte er Ägyptens größtes Bauunternehmen


Kairo - Die alte politische Garde des gestürzten Diktators Husni Mubarak kehrt zurück in höchste Staatsämter. Ägyptens Übergangspräsident Adly Mansur hat am Dienstag Ibrahim Mahlab zum neuen Premierminister ernannt. Er soll in den kommenden Tagen eine neue Regierung bilden.

Vor dem Sturz Mubaraks gehörte Mahlab dem einflussreichen Politischen Komitee der Staatspartei NDP an, das von Gamal Mubarak, dem Sohn des Diktators, geführt wurde. Von 2001 bis 2012 war Mahlab Generaldirektor von Arab Contractors, Ägyptens größtem staatlichem Baukonzern.

Während seiner Zeit an der Spitze des Unternehmens war Arab Contractors unter anderem am Neubau der Bibliothek von Alexandria, der Ringstraße rund um Kairo sowie mehrerer Flughäfen federführend beteiligt. Im Zuge der Bauarbeiten wurden mehrfach Korruptionsvorwürfe gegen die Firma laut - zu Anklagen oder gar Prozessen kam es jedoch nie.

Prekäre Wirtschaftslage in Ägypten

Mahlab folgt auf Hasim al-Beblawi, der am Montag überraschend den Rücktritt des gesamten Kabinetts erklärt hatte. Gründe für seinen Rückzug nannte Beblawi bislang nicht. Ägyptische Medien nennen anhalte Streiks im öffentlichen Dienst und einen wachsenden Vertrauensverlust der Bürger als mögliche Ursachen. Ägyptens Wirtschaftslage ist prekär. Die Staatskasse wird derzeit nur durch großzügige Zahlungen der Golfstaaten liquide gehalten.

Möglich ist aber auch, dass der Rücktritt des Beblawi-Kabinetts nur die Präsidentschaftskandidatur von Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi vorbereiten soll. Demnach wollte sich Sisi rechtzeitig vom erfolglosen Kabinett lösen, dem er als Verteidigungsminister selbst angehörte.

Mahlab, der unter Beblawi als Wohnungsbauminister fungierte, nannte in seiner ersten Pressekonferenz als Premier die Stabilisierung der Sicherheitslage als vorrangigste Aufgabe. "Wir werden zusammen daran arbeiten, die Sicherheit in Ägypten wieder vollständig herzustellen und den Terror in allen Ecken des Landes zu vernichten", sagte Mahlab. Seine Regierung ist die sechste seit dem Sturz von Präsident Mubarak im Februar 2011.

syd/dpa/Reuters

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kbrm9 25.02.2014
1.
die sollten lieber mal schauen das dir arbeitslosen rate sinkt die menschrn hoffnung kriegen und die Kriminalitätsrate sinken. das mit dem terror kommt dann von allein.
ratzmatz 25.02.2014
2. Reinemachen
Es gibt nur einen Weg und der ist die Islamfaschisten auszurotten.Anderst wird auch Ägypten nicht weiterkommen in seiner Entwicklung.
Haarfoen 25.02.2014
3. ... die alten Eliten ...
Es zeichnet sich ab, dass nur die "alten Eliten" über die Kompetenz verfügen, Ägypten vor dem totalen Absturz zu bewahren. Ein Trauerspiel, trotz der größten demokratischen Demonstration aller Zeiten ziehen jetzt wieder Korruption und Vetternwirtschaft ein - es ändert sich überhaupt nichts. Symbolisch für eigentlich alle arabischen Länder, die sich ihrer Ausbeuter und Machthaber nicht entledigen können, perspektivlos entgleiten und idealen Nährboden für vermeintliche religiöse Heilsbringer bieten. Ein Trauerspiel - dabei handelt es sich um die Mehrzahl der Ägypter um freundliche und friedliche Menschen.
redbayer 25.02.2014
4. Ach, ja das wird die deutschen Medien wieder ärgern
waren sie doch so glücklich als die Moslembrüder mit Mursi die Macht übernahmen (ein "Glückrausch von Demokratie" hörte man sie jubeln; ähnlich wie aktuell in der Ukraine). Das jetzt eine weiterer "Hau drauf" das komische Regierungsamt übernimmt, ist sowieso egal. Früher genauso wie heute herrscht das Militär. Es ist gleichzeitig die größte Wirtschaftsmacht im Land. Ein Großteil der Touristenorte und viele Industrieunternehmen gehören dem Militär; beiden geht es zunehmend schlecht. Aus USA kommt weniger Geld, dafür spucken die Saudis und Emirate mehr aus. Wenn also Deutschland für Ägypten mehr machen will (ist doch die Erwartung der Weltgemeinschaft, so Steinmeier), dann wäre es am besten, jeden 2-ten Bundesbürger zu einem Zwangsurlaub in Ägypten zu verpflichten (eventl. mit staatlichem Zuschuss). Dann geht es dem Militär wieder besser und vielleicht kann dafür der eine oder andere ägyptische Migrant in Deutschland, wieder die Macht in Ägypten übernehmen (nach dem Klitschko Modell)
Haarfoen 25.02.2014
5.
Redbayer, völlig richtig analysiert, so sehen die Strukturen aus - in Ägypten, Wirtschaftsmacht Militär. Ich habe sogar Urlaub in Ägypten gemacht - freiwillig (-; Bitter, wie schlecht es den Menschen teils geht, viele Gespräche geführt auf der Straße und mit den Mitarbeitern im Hotel. Mit dem Klitschko- Modell schaut es ebenfalls nicht so gut aus, kennst Du einen boxenden Ägypter oder einen Sportprominenten? Als Alternative Omar Sharif? Keiner will sich das antun ...
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