Griechenland Polizei räumt Flüchtlingslager in Idomeni

Das Gelände ist abgesperrt, Hunderte Polizisten sind Medienberichten zufolge im Einsatz: Die Behörden in Griechenland haben angefangen, das Flüchtlingscamp in Idomeni zu evakuieren.

AP

Griechenland lässt das provisorische Flüchtlingscamp in Idomeni an der Grenze zu Mazedonien räumen: Einheiten der Bereitschaftspolizei sperrten am frühen Dienstagmorgen das Gelände weiträumig ab, ein Hubschrauber überflog die Gegend. Journalisten mussten das Lager verlassen.

Griechischen Medienberichten zufolge sind rund 1400 Polizisten beteiligt. Ziel der Aktion ist es, die etwa 9000 Menschen in der provisorischen Zeltstadt binnen zehn Tagen in andere Einrichtungen in der Gegend um die Stadt Thessaloniki zu bringen. Dort wären sie besser untergebracht und könnten Gesundheits- wie Asyleinrichtungen schneller erreichen. Die meisten Flüchtlinge harren in Idomeni aus, weil sie darauf hoffen, dass die sogenannte Balkanroute wieder geöffnet werden könnte - und sie dann nach Mitteleuropa weiterreisen könnten. Gewalt will die Regierung in Athen bei der Räumung des Camps nicht anwenden.

Wie SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Giorgos Christides von der Polizei erfahren hat, wurde der genaue Plan, wie die Evakuierung ablaufen soll, in der vergangenen Nacht beschlossen. Demnach soll die Räumung des Camps in drei Phasen ablaufen. Zuerst solle der westliche Teil des Flüchtlingslagers evakuiert werden, anschließend sollen die Bahngleise, wo Migranten schlafen, geräumt werden. Erst zuletzt soll das Hauptcamp evakuiert werden.

Bis zum Vormittag lief die Räumung des Camps Medienberichten zufolge ruhig ab. Das griechische Staatsfernsehen (ERT) zeigte erste Videoaufnahmen aus dem Lager. Migranten und Flüchtlinge sammelten ihr Hab und Gut und stiegen in Busse ein, um in organisierte Auffanglager gefahren zu werden. Dieses Bild ergab sich auch aus Fernsehaufnahmen, die von der mazedonischen Seite der Grenze aus gedreht wurden. Polizisten sprachen mit Migranten, Busse standen bereit. Die ersten Busse haben bereits Idomeni verlassen. Reporter zählten neun Busse. Die Migranten winkten ihnen aus den Bussen zu.

In den vergangenen Monaten hatte die griechische Regierung eine Räumung des Camps durch die Polizei abgelehnt. Zu groß waren die Befürchtungen, Flüchtlinge oder Beamte könnten dabei verletzt werden.

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Flüchtlingslager: Leben in der Zeltstadt Idomeni

Die Entscheidung für die Räumung durch die Polizei war am späten Sonntagabend gefallen. Der Druck durch Medien und Opposition war in den vergangenen Wochen gewachsen, zudem war es vor knapp einer Woche zu heftigen gewalttätigen Zwischenfällen im Camp gekommen.

Nach der Ankündigung der Räumungsaktion hatten bereits Dutzende Migranten Idomeni verlassen: Einige versteckten sich offenbar in den Feldern der Region, andere fuhren freiwillig in neue Lager.

Das Flüchtlingscamp in Idomeni war nach der stufenweise Schließung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns seitens Mazedoniens entstanden. Bis zu 15.000 Menschen harrten im März in der Region aus.

Medien berichteten von Drogenhandel und Prostitution in dem, wie sie es nannten, "Ghetto" von Idomeni. Zudem sperren radikalisierte Migranten die wichtige Eisenbahnverbindung Griechenlands nach Norden. Mehr als 300 Güterwaggons sind auf beiden Seiten der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien steckengeblieben. Die Importeure und Exporteure beklagen Verluste in Millionenhöhe.

aar/anr/dpa/AP

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