Ikone Jugoslawiens Tito-Witwe Jovanka Broz ist tot

Einst schillernde Präsidentengattin, dann verachtete Witwe: Jovanka Broz, Ehefrau des vor 33 Jahren verstorbenen jugoslawischen Staatsgründers Tito, ist tot. Sie ist 88 Jahre alt geworden.
Jovanka Broz (1952): Nach dem Tod ihres Mannes nimmt man ihr die Papiere ab, erst 2009 erhält sie wieder einen Pass

Jovanka Broz (1952): Nach dem Tod ihres Mannes nimmt man ihr die Papiere ab, erst 2009 erhält sie wieder einen Pass

Foto: AFP

Belgrad - Die Witwe des früheren jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito, Jovanka Broz, ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Broz habe am Sonntag einen Herzstillstand erlitten, teilte das behandelnde Krankenhaus in der serbischen Hauptstadt Belgrad mit. Dorthin war die einst schillernde Präsidentengattin im August wegen einer Blutvergiftung gebracht worden.

Seit 1952 war Broz mit dem einstigen Partisanenführer im Zweiten Weltkrieg und späteren politischen Übervater Tito verheiratet. An der Seite des Staats- und Parteichefs hatte sie großen politischen Einfluss.

Die Bauerntochter hatte sich mit 17 Jahren den Partisanen angeschlossen, damals lernte sie Tito kennen, den Anführer des kommunistischen Widerstands. Nach dem Krieg arbeitete sie in Titos Kabinett. An dessen Seite führte sie ein schillerndes Privatleben, dinierte mit Elizabeth Taylor und anderen Kinostars, die in den sechziger Jahren in Jugoslawien Filme drehten.

Als Tito Ende der Siebziger krankheitsbedingt aus der Öffentlichkeit verschwand und kurz darauf starb, vertrieben seine einflussreichen Mitarbeiter seine Frau aus dem Palast, stellten sie unter ärmlichen Bedingungen unter Hausarrest und nahmen ihr die Papiere ab.

"Sie wollten mit Tito abrechnen, indem sie mir vorwarfen, ein Komplott gegen ihn vorzubereiten. Es ist ihnen gelungen, uns zu trennen und zu isolieren", sagte Jovanka Broz im Februar dieses Jahres der Zeitung "Vecernje Novosti". Erst im Jahr 2009 gaben die serbischen Behörden ihr wieder einen Pass und sprachen ihr eine Rente zu.

Bei der Beisetzung Titos 1980 tauchte Broz das letzte Mal in der Öffentlichkeit auf. Die Idee ihres Mannes, alle Südslawen in einem einzigen Staat Jugoslawien zu vereinen, war mit den Kriegen der neunziger Jahre schon längst gescheitert. Viele Bürger in den sieben Nachfolgestaaten trauern aber noch heute den "goldenen sechziger und siebziger Jahren" nach.

Damals erlebte Jugoslawien dank großzügiger Kredite aus Ost und West eine bis heute unerreichte Blüte. Die Menschen genossen einen relativen Wohlstand und konnten mit ihrem jugoslawischen Pass ohne Visum in alle Welt reisen. Heute sind große Teile der Bevölkerung verarmt, die Staaten sind überschuldet.

sun/dpa/AFP
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