Illegale Einwanderer Griechischer Schutzwall soll EU abriegeln

Jeder achte illegale Einwanderer kommt über Griechenland in die EU - damit soll nach dem Willen der Regierung in Athen bald Schluss sein. Ein mehr als 200 Kilometer langer Zaun entlang der Grenze zur Türkei soll den Strom stoppen. Vorbild ist der umstrittene US-Schutzwall gegen Mexiko.
Flüchtlinge: Rund 300.000 Menschen sind illegal in Griechenland

Flüchtlinge: Rund 300.000 Menschen sind illegal in Griechenland

Foto: ANGELOS TZORTZINIS/ AFP

Türkei

Athen - Zwei Monate ist es erst her, dass Griechenland die Hilfe der EU-Grenzagentur Frontex angefordert hat - Athen ist allein nicht mehr in der Lage, mit der Flüchtlingskrise fertig zu werden. Nun plant die Regierung zusätzlich einen Zaun entlang der 206 Kilometer langen Grenze zur . "Die griechische Gesellschaft hat bei der Aufnahme illegaler Einwanderer ihre Grenzen erreicht. Griechenland kann nicht mehr", sagte der für Einwanderungsfragen zuständige Minister Christos Papoutsis der griechischen Nachrichtenagentur Ana.

Als Vorbild soll der Zaun gelten, den die USA entlang der Grenze zu Mexiko errichtet haben. Unklar ist, was die EU-Kommission davon hält. Schließlich führt die EU auch Beitrittsgespräche mit der Türkei. Die Landesgrenze zwischen Griechenland und der Türkei ist für Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Irak und nordafrikanischen Staaten zum Haupteingangstor in die Europäische Union geworden, weil der Seeweg über das Mittelmeer schärfer kontrolliert wird.

Von Januar bis November 2010 wurden allein an einem 12,5 Kilometer langen Stück des Grenzflusses Evros 32.500 Einwanderer ohne Papiere festgenommen. Im Gegenzug gingen die Festnahmen auf den griechischen Inseln nahe der türkischen Küste um knapp 80 Prozent zurück. Dies Inseln waren früher von Schleuserbanden angefahren worden, um die illegalen Einwanderer in die EU zu bringen.

200 Flüchtlinge pro Tag

Griechenland hatte Brüssel im Oktober als erstes EU-Land um die Entsendung von schnellen Eingreifteams der Grenzagentur Frontex gebeten. Im November wurden mehr als 200 EU-Grenzwächter an den Grenzfluss Evros entsandt, darunter auch 27 Beamte der deutschen Bundespolizei. Daraufhin ging die Zahl der gefassten illegalen Einwanderer von rund 250 pro Tag auf rund 140 zurückging. Im Jahre 2010 kamen nach Angaben des Ministers "täglich rund 200 Flüchtlinge" aus der Türkei.

Die EU-Kommission hält die Lage am Evros für alarmierend: In den Städten betteln Tausende illegaler Migranten auf den Straßen. Hunderte versuchen, auf eine der Fähren nach Italien zu kommen. Auch das deutsche Innenministerium, das im November eine Delegation vor Ort schickte, ist besorgt und forderte EU-Kommission und Griechenland zur Verbesserung der Situation der Flüchtlinge auf.

Mittlerweile ist fast jeder zehnte in Griechenland lebende Mensch ein Ausländer von außerhalb der Europäischen Union. Rund 300.000 Menschen sind illegal im Land. Sie stammen überwiegend aus Afghanistan, dem Irak und nordafrikanischen Staaten.

Die EU-Beamten helfen Griechenland, die Landesgrenze zur Türkei zu kontrollieren und Flüchtlinge in die Auffanglager zu bringen. Unklar ist aber, wie es dann weitergehen soll. Die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern gelten als katastrophal. Zudem ist Griechenlands Asylsystem angesichts der vielen Flüchtlinge völlig überlastet. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Asylpolitik und die Zustände in den Aufnahmelagern.

cte/ore/dpa/AFP
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