Illegale Flüchtlinge Griechenland will doch nur kurzen Grenzzaun bauen

Die internationale Kritik war scharf - jetzt nimmt Griechenland seinen Plan, an der Grenze zur Türkei einen 206 Kilometer langen Zaun zu bauen, offenbar zurück. Nur eine kurze Strecke entlang des Flusses Evros soll nach Regierungsangaben abgesperrt werden.
Illegale Einwanderer in griechischem Auffanglager: Täglich 200 Flüchtlinge

Illegale Einwanderer in griechischem Auffanglager: Täglich 200 Flüchtlinge

Foto: dpa

Athen - Griechenland hat Abstand von seinem Vorhaben genommen, die Grenze zur Türkei mit einem Zaun gegen illegale Migration zu befestigen. Wie am Montag aus dem Ministerium für Bürgerschutz verlautete, plant Athen vorerst nur einen 12,5 Kilometer langen und 3 Meter hohen Zaun entlang der "Schwachstelle" des Grenzflusses Evros bei der Kleinstadt Orestiada.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Plan als Verstoß gegen EU-Menschenrechtsprinzipien. Die Europäische Union schotte sich als Insel der Reichen ab gegen Menschen, die vor Verfolgung oder krasser Armut fliehen, sagte der Amnesty-Experte Wolfgang Grenz der "Frankfurter Rundschau". Europa stelle sich damit selbst ein Armutszeugnis aus.

Vor zwei Monaten hatte Griechenland unter dem Druck der Migrationswelle die Hilfe der EU-Grenzagentur Frontex angefordert. Seit November arbeiten dort zusammen mit den Griechen 200 Beamte der Frontex. 2010 kamen nach Angaben des Ministers "täglich rund 200 Flüchtlinge" aus der Türkei.

Die EU-Kommission hält die Lage am Evros für alarmierend: Mehr als 80 Prozent der illegalen Einwanderer in die EU reisen inzwischen über Griechenland ein. Das Land ist nach Brüsseler Einschätzung mit dem Ansturm hoffnungslos überfordert. In den Städten betteln Tausende illegaler Migranten auf den Straßen. Hunderte versuchen, auf eine Fähre nach Italien zu kommen.

In der Nacht zum Montag wurden in der Nähe der westgriechischen Hafenstädte Patras und Igoumenitsa Dutzende Migranten beim Versuch festgenommen, auf eine Schiff nach Italien zu gelangen. Sechs Migranten entdeckte die Küstenwache in einem Boot auf dem Weg von der Insel Korfu nach Italien, wie das Staatsradio berichtete.

anr/dpa
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