Im Fadenkreuz Wie al-Qaida und Co. auf den Drohnenkrieg reagieren

Vom Irak bis Pakistan, vom Jemen bis Somalia: Unter militanten Dschihadisten wächst die Furcht vor den Drohnen der USA. Wirksame Gegenmaßnahmen haben sie noch nicht entwickeln können.

AFP/ AL-JAZEERA

Von Yassin Musharbash


Ein ungenannter Ort im Irak, irgendwann im Jahr 2008: Auf einem Holztisch vor einem Baum liegt eine Drohne. Sie ist beschädigt. Ob sie abgeschossen wurde oder abstürzte, ist ungewiss. Neben dem Tisch steht der Kommandeur einer militanten Dschihadistengruppe und referiert über das Antriebssystem des Flugkörpers und seine Kamera.

Die Szene stammt aus einem Propagandavideo. Sie soll den Eindruck erwecken, dass Aufständische und Terroristen, die im Irak, in Pakistan, in Afghanistan, im Jemen und womöglich in Somalia mit Hilfe von Drohnen ausgespäht und angegriffen werden, der neuartigen Bedrohung gewachsen sind. Al-Qaida, Taliban, die "Islamische Armee" im Irak, die Schabab-Milizen in Somalia: Sie alle wollen schon US-Drohnen abgeschossen haben. "Die Mudschahidin haben Dutzende vom Himmel geholt", prahlte jüngst al-Qaida im Irak und zeigte entsprechende Bilder.

Doch hinter der Angeberei verbirgt sich die Angst: Die Drohnen, warnt der Kommandeur seine Fußsoldaten, seien lautlos, "sie können uns am Tag und in der Nacht fotografieren" und "unsere Bewegungen verfolgen". Auch Telefonate seien vor den unbemannten Spähern nicht geheim, er rät zum Handy-Verzicht.

Islamistische Terroristen rund um den Globus, allen voran al-Qaida und die Taliban, haben mit Schrecken bemerkt, dass die Drohnen der US-Armee und der CIA ein effektives Mittel sind, ihre Anführer aufzuspüren und zu töten. Entsprechend fieberhaft arbeiten sie an Gegenmaßnahmen.

Al-Qaida und die Taliban reagieren auf mehreren Ebenen auf den zunehmenden Drohnenkrieg, dessen vorderste Front im Grenzgebiet von Pakistan und Afghanistan liegt. Zum Jahreswechsel tötete ein unerkannter jordanischer Doppelagent als Selbstmordattentäter nahe Khost acht CIA-Agenten in ihrer Basis. Ein Grund: Von hier aus wurden Drohnenangriffe koordiniert.

Schon vorher entfesselten die beiden Gruppierungen eine Propagandaschlacht gegen die pakistanische Regierung, die es zumindest duldet, dass die CIA das Land als Basis für den Drohnenkrieg nutzt. Als Argument dienen vor allem getötete Zivilisten. "Sie konnten ein paar Ziele ausschalten", schrieben die Taliban kürzlich. "Aber dafür haben sie die doppelte Anzahl Unschuldiger umgebracht, (…) Moscheen (…) und Hunderte Häuser zerstört."

Für regelrechte Paranoia sorgt der Umstand, dass hinter jedem erfolgreichen Drohnenangriff mindestens ein Informant steht, der das Ziel identifiziert oder markiert. Aus Gründen der Abschreckung haben Terrorgruppen mehr als einmal mutmaßliche Verräter enthauptet und diese Morde auf Video festgehalten und verbreitet.

Beobachter haben außerdem festgestellt, dass die Militanten ihre Taktik angepasst haben. Die Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan, heißt es, würden sie heute nur in kleinen Gruppen überqueren. Militär- und Schulungslager würden noch sorgfältiger getarnt und weiter dezentralisiert, damit sie den Analysten, die Drohnenbilder auswerten, nicht ins Auge fallen.

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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick

Letztlich aber fehlt ein wirksames Mittel gegen die elektronischen Augen und Ohren und die todbringende Fracht. "Dschihadisten reden viel über Drohnen", hat der Terrorismusexperte Jarret Brachman festgestellt, einer der aufmerksamsten Beobachter der Debatten, die Terroristen und ihre Sympathisanten im Internet führen. "Aber es gab kaum fortgeschrittene Diskussionen über wirksame Gegenmaßnahmen, wenigstens nicht öffentlich."

Neben ein paar angeblichen Abschüssen unbemannter Flieger gelang den Ausgespähten erst ein wirklicher Coup: Mit Hilfe eines russischen Computerprogramms für 26 Dollar fingen irakische Militante zeitweise den Bilderstrom der Drohnenkameras ab. Auf Laptops fanden US-Soldaten bei Razzien später so ihre eigenen Daten. Diese Sicherheitslücke ist mittlerweile angeblich geschlossen; sie habe ohnehin nur bei den Drohnen der US-Armee funktioniert. CIA-Drohnen, heißt es, funken verschlüsselt.

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Zwietracht, 09.03.2010
1.
Leute, Leute - "Killerdrohnen", lasst ihr jetzt alle Nachwuchskräfte bei Springer ausbilden? Drohnen sind militärische Waffen. Die Legitimität ihres Einsatzes ist nach internationalem Recht geregelt. "Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?" Und, nicht oder.
BeckerC1972, 09.03.2010
2.
Zitat von sysopFast täglich töten CIA-Drohnen in Pakistan Terroristen - und Zivilisten. Die unbemannten Flugzeuge avancieren zur Waffe Nummer eins im Kampf gegen al-Qaida und Co. Doch die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar. Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?
Ist das Erschießen von Gegner ein Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord? Ist es nicht völlig egal, ob nun Drohnen oder Scharfschützen schießen?
derweltbuerger 09.03.2010
3.
Danke für die Artikel zum Thema! Manchmal zeigt der Spiegel, dass er doch noch was drauf hat. Absolut erschreckend was dort vor sich geht und wieder einmal zeigt sich wo die wahren Terroristen sitzen. Die Machteliten sind dem ihrer Ansicht nach perfekten Krieg sehr nahe. Perfekt deshalb, weil die eigenen Soldaten kaum mehr zu Schaden kommen, das Töten im Hintergrund geschieht, das Ganze extrem preisgünstig ist und die Opfer sich nicht wehren können. Nun spielen also ein paar Soldaten irgendwo in den USA jeden Tag ein paar Stunden "Computerspiel". Virtuelles und reales Töten verschmelzen. Dafür hat man ja massenhaft Kinder mit den entsprechenden Spielen schon vor Jahren zur Genüge ausgebildet. Auch ich fand solche Computerspiele mal toll, nun sehe ich, an was für Situationen man damit schon früh gewöhnt wurde. Die USA sind die größte Bedrohung für den Frieden in dieser Welt. Es ist an der Zeit aufzubegehren! Vergessen wir die Propagandamärchen!
anathema 09.03.2010
4. Passt doch ... ins Bild!
Zitat von sysopFast täglich töten CIA-Drohnen in Pakistan Terroristen - und Zivilisten. Die unbemannten Flugzeuge avancieren zur Waffe Nummer eins im Kampf gegen al-Qaida und Co. Doch die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar. Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?
Genau und objektiv betrachtet sind dies weniger "Waffen" als raffiniert konstruierte, undifferenziert wirkende "Menschenvernichtungsmaschinen" und rangieren Ihrer Frage gemäß eher als feiger "staatlicher Mord". " ... die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar." (sysop) All dies macht aber bei einer angeblichen "rechtsstaatlichen Demokratie", die Angriffskriege, Menschenentführungen, Foltergefängnisse, subversive Regierungsumstürze planende und durchführende CIA-Aktionen etc. auf der alltäglichen Agenda hat, keinen allzu großen Unterschied mehr, sondern passt meiner Meinung nach haargenau in das bekannte Bild!
Stefanie Bach, 09.03.2010
5.
Zitat von sysopFast täglich töten CIA-Drohnen in Pakistan Terroristen - und Zivilisten. Die unbemannten Flugzeuge avancieren zur Waffe Nummer eins im Kampf gegen al-Qaida und Co. Doch die politischen, militärischen und moralischen Folgen sind unabsehbar. Sind Drohnen ein effektives Mittel gegen Terroristen oder staatlicher Mord?
Die USA betrachten ihr Vorgehen gegen Terroristen als Akte der Kriegsführung, "the war on terror" ist wörtlich zu verstehen, der Einsatz von Drohnen wird folglich als gebotenes und legitimes Mittel betrachtet. In der deutschen Öffentlichkeit ist der Charakter des Einsatzes gegen Terroristen bis heute ungeklärt geblieben. Selbst Kriegseinsätze wie in Afghanistan wurden und werden sprachlich vertuscht. Vor dem Hintergrund dieser Unwahrheiten kann ein demokratischer Konsens über das berechtigte und gebotene Vorgehen nicht entstehen. Der Zusammenhang von Sprache, Bildung und Erziehung (http://www.plantor.de/2009/der-zusammenhang-von-sprache-bildung-und-erziehung/)
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