Im Falle eines Irak-Feldzugs Bundeswehr denkt über Verstärkung der ABC-Truppe nach

Offenbar will sich die Bundeswehr doch - wenigstens indirekt - an einem Irak-Feldzug der USA beteiligen. Jedenfalls diskutiert die Bundeswehr-Führung Möglichkeiten einer Verstärkung der in Kuwait stationierten ABC-Abwehrkräfte für den Fall eines Krieges.


Verstärkung wird diskutiert: ABC-Spürpanzer der Bundeswehr in Kuwait
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Verstärkung wird diskutiert: ABC-Spürpanzer der Bundeswehr in Kuwait

Berlin - Derzeit seien 59 Soldaten am Golf, weitere 200 stünden in Marschbereitschaft, sagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan der "Leipziger Volkszeitung". Sollte es die bewaffnete Durchsetzung eines UN-Mandats geben, sei die Frage der Sicherheit der Soldaten eine, auf die man antworten müsse: "Ich kann die 59 Soldaten nicht alleine da lassen", sagte Schneiderhan.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte, es gebe Überlegungen, wie im Fall einer Zuspitzung der Lage die Sicherheit der Soldaten der ABC-Einheit in Kuwait, dem Nachbarland Iraks, gewährleistet werden könne. Derzeit sei es aber verfrüht, über konkrete Maßnahmen zu sprechen. Wenn sich die Bedingungen für die deutschen Soldaten in Kuwait änderten, werde der Generalinspekteur Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) entsprechend der Lage Vorschläge unterbreiten, sagte der Sprecher. Es wäre kaum vorstellbar, dass der Minister grundsätzlich anders entscheiden werde, als es der Generalinspekteur vorgeschlagen habe.

ABC-Kräfte könnten im Kriegsfall zum Einsatz kommen

Das ABC-Abwehrbataillon mit sechs "Fuchs"-Spürpanzern ist im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes in Kuwait stationiert. Bei einem möglichen Irak-Krieg könnten die ABC-Kräfte nach früheren Aussagen Strucks im Notfall in Kuwait zum Einsatz kommen - "wenn kuwaitische oder amerikanische Einrichtungen durch ABC-Waffen bedroht werden". Nach Ansicht der Grünen müsste ein solcher Einsatz aber vom Bundestag gebilligt werden.

Der Einsatz der "Fuchs"-Spürpanzer hat in jüngster Zeit immer wieder für Wirbel gesorgt. Zunächst hatte Struck im Wahlkampf Ende August angekündigt, die ABC-Panzer bei einem Krieg abzuziehen. Nach der Bundestagswahl hatte er dies revidiert und erklärt, ein Abzug der "Fuchs"-Spürpanzer wäre außenpolitisch fatal.

Zu der aus dem ostwestfälischen Höxter stammenden ABC-Einheit gehören insgesamt etwa 260 Soldaten. Die in Höxter verbliebenen 200 Soldaten können bei Bedarf innerhalb von 96 Stunden nach Kuwait verlegt werden. Der Einsatz des gesamten Bataillons ist durch das Bundestagsmandat für den Anti-Terror-Kampf gedeckt. Das wichtigste Einsatzfahrzeug der ABC-Abwehrkräfte ist der Spürpanzer "Fuchs" - ein mobiles Militärlabor, mit dem chemische und biologische Kampfstoffe aufgespürt werden können.

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