Bei Einsatz von Spezialkräften Israelischer Soldat und sechs Palästinenser sterben im Gazastreifen

Bei einer Kommandoaktion im Gazastreifen haben Israels Spezialkräfte und die Luftwaffe mindestens sechs Palästinenser getötet. Beim Schusswechsel mit Hamas-Kämpfern starb auch ein israelischer Soldat.

Israelische Spezialkräfte an der Grenze zum Gazastreifen (Archivfoto)
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Israelische Spezialkräfte an der Grenze zum Gazastreifen (Archivfoto)


Bei israelischen Angriffen im südlichen Gazastreifen sind am Sonntag mindestens sechs militante Palästinenser getötet worden. Unter den Toten soll auch ein örtlicher Kommandeur des militärischen Flügels der in dem Küstenstreifen herrschenden islamistischen Hamas sein, bestätigte das Gesundheitsministerium in Gaza.

Wie das israelische Militär mitteilte, starb bei der Aktion ihrer Spezialkräfte außerdem ein Soldat bei einem Feuergefecht, ein weiterer wurde leicht verwundet. Am frühen Morgen hieß es außerdem, die Aktion sei beendet und die Familien der Betroffenen seien informiert.

Luftangriffe auf die Palästinenserenklave sowie Raketenbeschuss durch die militante Palästinenser auf angrenzende Ortschaften in Israel gibt es häufig. Nur höchst selten dringt hingegen israelisches Militär am Boden in den von Islamisten kontrollierten Gazastreifen ein.

Premier Netanyahu kehrte vorzeitig nach Israel zurück

Der Vorfall nährte die Sorge vor einer neuen größeren Eskalation zwischen Israel und der Hamas. Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten teilte mit, Benjamin Netanyahu habe angesichts der Sicherheitslage im Süden einen Besuch bei den Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs in Frankreich verkürzt. Er fliege noch in der Nacht zurück in sein Land.

Ein Sprecher des militärischen Hamas-Arms, der Kassam-Brigaden, teilte mit, eine israelische Spezialeinheit sei in einem zivilen Fahrzeug drei Kilometer weit in den Gazastreifen vorgedrungen. Die Einheit habe bei Chan Junis den 37-jährigen Hamas-Kommandeur Nur Baraka getötet. Daraufhin sei es zu einem heftigen Schusswechsel mit militanten Kämpfern gekommen.

Anschließend hätten israelische Kampfjets die Gegend beschossen, um den Soldaten den Rückzug zu ermöglichen. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es seien dabei etwa 40 israelische Raketen abgefeuert worden. Bei den Luftangriffen seien fünf Hamas-Kämpfer getötet worden. Mehrere Palästinenser seien außerdem verletzt worden. Zunächst hatte es geheißen, es sei auch ein Zivilist ums Leben gekommen.

Der getötete Kommandeur galt nach palästinensischen Angaben als verantwortlich für das Graben von Tunneln, Raketenangriffe auf Israel sowie Angriffe auf israelische Soldaten.

Die israelische Armee teilte mit, es sei während eines Einsatzes im Gazastreifen zu einem Schusswechsel gekommen. Das Militär betonte, entgegen Gerüchten seien bei dem Vorfall keine israelischen Soldaten entführt worden.

Nach den Angriffen im Gazastreifen wurde in israelischen Grenzorten Raketenalarm ausgelöst. Nach Angaben der israelischen Armee fing die Raketenabwehr Iron Dome zwei Geschosse ab.

220 tote Palästinenser bei gewaltsamen Protesten seit März

Seit März sind bei gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums mehr als 220 Palästinenser getötet worden. Die Demonstranten fordern eine Aufhebung der seit mehr als einem Jahrzehnt herrschenden Gaza-Blockade sowie eine Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge in Gebiete, die heute zu Israel gehören.

Im Gazastreifen leben mehr als zwei Millionen Menschen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Elektrizität. Die im Gazastreifen herrschende Hamas wird von den USA, der EU und Israel als Terrororganisation eingestuft.

Ägypten bemühte sich zuletzt intensiv um eine Beruhigung der Lage. Am Donnerstag hatte Israel es Gesandten aus Katar nach Medienberichten erlaubt, Koffer mit Bargeld in Höhe von 15 Millionen Dollar (13 Millionen Euro) in den Gazastreifen zu bringen. Dies sollte der Hamas unter anderem ermöglichen, ausstehende Gehälter ihrer Angestellten im Gazastreifen zu zahlen.

cht/dpa/AFP/Reuters



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