Imagepflege einer Supermacht Peking knipst sein Lächeln an

China investiert Millionen in Sympathiewerbung - man will sich nicht allein auf seine politische und ökonomische Macht verlassen. Die Supermacht setzt auf Hospitalschiffe, Stipendien und PR-Kampagnen von Weltstars.

Star-Pianist Lang Lang: Botschafter eines freundlichen Chinas
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Star-Pianist Lang Lang: Botschafter eines freundlichen Chinas

Von , Shanghai


Sie ist weiß und prächtig, und sie fuhr übers Meer, um Heilung zu bringen. Man nennt sie auch Friedensarche, schreibt die staatliche "China Daily" zärtlich. Der Konteradmiral jener Friedensarche sagt, man habe die Menschen informieren wollen über " China, das chinesische Militär und die chinesische Marine".

Ende November 2010 kehrte das erste chinesische Krankenhausschiff von seiner Mission zurück, 15.537 Patienten hatten chinesische Ärzte in Dschibuti, Kenia, Tansania, Bangladesch und auf den Seychellen behandelt, 97 Operationen durchgeführt, so genau listet das Medium der aufsteigenden Supermacht die guten Taten auf.

Denn China, das Land, das sich ganz nach vorn gearbeitet hat, weiß, dass es auch an seinem freundlichen Gesicht arbeiten muss. Es setzt auf Macht durch Attraktivität, das hat es von den USA gelernt.

Tatsächlich ist China gerade für Diktatoren attraktiv geworden durch seine Politik, sich nicht in die sogenannten inneren Angelegenheiten eines Staates einzumischen, gerade wenn es sich bei diesen inneren Angelegenheiten um Demokratie und Menschenrechte handelt. Doch Chinas wirtschaftlicher Erfolg hat auch den Menschen in den aufstrebenden Entwicklungsländern gezeigt, dass Modernisierung nicht gleich Verwestlichung heißen muss. Ein schöner Gedanke, finden viele.

Die Chinesen selbst sagen es heute selbstbewusst: Das westliche Modell hat Konkurrenz bekommen.

Indirekt Einfluss zu nehmen, die eigenen Interessen sanft, aber wirksam durchzusetzen, Geschäfte vorzubereiten, politische Ziele langfristig abzusichern, all das versucht China vor allem in Afrika und in Südostasien. Denn von dort kommen die Rohstoffe, die China für sein Wirtschaftswachstum braucht. Die kommende Weltmacht ist schon jetzt Weltmeister in Sachen Soft Power.

Man umwirbt indonesische Studenten mit Stipendien und versucht, australische Universitäten auszustechen; die USA hat China schon abgehängt mit dieser "Campus-Diplomatie" in Indonesien. Ein enger Austausch mit jenem Land, das einem Palmöl, Gas und Kohle liefert, kann ja nicht schaden. Ein chinesisches Unternehmen baut in Indonesien gerade eine Eisenbahn für den Kohletransport.

Alles zielt auf die Imagepflege ab

Man freut sich, wenn ein Minister aus Delhi ankündigt, Chinesisch solle künftig zum Lehrplan für indische Grundschüler gehören. Schließlich sei China ein "mächtiger Nachbar". Man freut sich aber genauso, wenn man Indien ärgern kann, indem man Sri Lanka großzügig unterstützt. Dort entsteht gerade mit chinesischer Hilfe ein Hafen, in dem die chinesische Marine später willkommen sein wird - und Indien fühlt sich bedrängt.

Wenn China die Olympischen Spiele organisiert, wenn sich Shanghai mit der Expo schmückt, wenn Guangzhou die Asian Games beherbergt, dann zielt das alles auch auf Imagepflege ab. Vor dem letzten Nationalfeiertag hat die Regierung sogar einen Werbespot in Auftrag gegeben, der über CNN und BBC die Welt erreichen soll: eine nationale PR-Kampagne mit Chinas Prominenten, vom Immobilien-Tycoon bis zum Regisseur, von Basketballstar Yao Ming bis zu Raumfahrer Yang Liwei und Pianist Lang Lang.

Doch China hat erkannt, dass eigene Nachrichten, produziert von eigenen Medien, die effektivere Methode sind, sich selbst und die eigene Sicht auf die Welt darzustellen. Das chinesische Staatsfernsehen CCTV sendet nicht nur in Englisch, Französisch und Spanisch, sondern seit 2009 auch in Arabisch und Russisch. Zusammen mit seinem Kanal für Überseechinesen erreicht es damit über 150 Millionen Haushalte in 140 Ländern und Regionen. China Radio International ist in gut 50 Sprachen zu hören.

China soll den Menschen nah sein, und wie kann das besser gelingen als durch die Sprache? 2004 öffnete das erste Konfuzius-Institut in Seoul. Nur sechs Jahre später gibt es mehr als 300 Konfuzius-Institute in über 90 Ländern, in Nigeria und Ägypten genauso wie in Deutschland oder Mexiko. Die Welt lernt, wie die künftige Weltmacht spricht und wie sie denkt. Stolz zitiert das hauseigene Magazin einen afrikanischen Studenten, der lieber Chinesisch lernt als Deutsch. Er glaubt an "goldene Möglichkeiten" in China.

Kampf um die Herzen

Wie wichtig China selbst seine Institute nimmt, zeigt sich daran, dass sich auch die Mächtigen für Soft Power interessieren. Politbüromitglied Li Changchun besuchte kürzlich Konfuzius-Institute in Estland, Irland und Iran und hinterließ nebenbei eine Spur von gespendeten Konfuzius-Statuen. Die Repräsentanten aller Institute forderte er öffentlich auf, ihren Beitrag zu leisten zum Aufbau einer harmonischen Welt. Ein Begriff, der von Staatspräsident Hu Jintao stammt, der damit das chinesische innenpolitische Leitprinzip einer harmonischen Gesellschaft mal eben auf die ganze Welt übertrug.

Selbst Taiwan blickt neiderfüllt auf diesen Erfolg, will jetzt nachziehen mit eigenen Akademien im Ausland. Den Wettkampf, welches Entwicklungsland dank welcher Summen diplomatische Beziehungen unterhält mit Peking oder Taipeh, hat Taiwan längst verloren. Jetzt kämpfen sie um die Herzen.

So begeistert ist China von seiner eigenen Charmeoffensive, dass man sogar ein internationales Trainingszentrum für Tischtennis aufbauen will, um fremde Athleten zu fördern. Es sei Verantwortung und Verpflichtung, dass China seinen Beitrag leiste zur globalen Entwicklung dieses Sports, ließ Direktor Zhang Jiancheng wissen. Schließlich ist man der ewige Goldmedaillengewinner. Langfristig plane man sogar Ableger im Ausland, schwärmte der Direktor, ganz so, wie es das Konfuzius-Institut vormache mit seiner Soft-Power-Strategie. Immerhin war es ja auch die Ping-Pong-Diplomatie, die Freundschaft unter Sportlern, die China und die USA in den siebziger Jahren politisch näher brachte.

Heute will China nicht nur gefürchtet werden, sondern auch gemocht. Und sei es von Tischtennisspielern.

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Seite 1
günter1934 30.12.2010
1.
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Wenn wir mit der Förderung der Erneuerbaren Energien so weitermachen wie heute, werden wir in Zukunft am Tropf der chinesischen Welthungerhilfe hängen!
++arthur 30.12.2010
2. China und USA
Ich sag schon mal "leise Servus". War schön mit dir Demokratie, Sozialstaat und Grundgesetz. Wird? Wird? Hat! HAT! Man muss sich nur mal die "Verschuldung" angucken: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Country_foreign_exchange_reserves_minus_external_debt.png Sehen sie die "grüne Macht": Das sind nicht wir!
marant 30.12.2010
3. ttt
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Das tut sie bereits mit derzeit etwa 36,7 Mld. US-Dollar. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/33/33917/1.html
localpatriot 30.12.2010
4. Ein Viertel der Menschheit
Zitat von sysopSchon jetzt sind die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Europa vielfältig und intensiv. Von der Konjunktur in China hängt auch das Wachstum bei uns und in den USA ab. Wie wird sich das Verhältnis zu China entwickeln? Wird China unseren Kurs entscheidend mitbestimmen?
Groesse bringt Einfluss. Man muss mit einem Land das 20 bis 25% der Menschheit in jeder Hinsicht rechenen: - als Kunde, - als Lieferant, - als Konkurrent - als Geldgeber. In jeder Hinsicht wirft China einen grossen Schatten. Chinesen sehen Deutschland mit Respekt und so lange sich die deutschen Politiker nicht uebenehmen, kann man langfristig ein gutes Verhaeltnis erwarten. Persoenliche Freiheit ist bei einem 1,5 Milliarden Volk immer Mangelware. 5 Milliarden Mahlzeiten taeglich auf den Tisch zu stellen waere fuer jede Gesellschaft eine Herausforderung dabei kann man steten Fortschritt nur durch Stabilitaet erreichen.
Palmstroem, 30.12.2010
5. Schattenspiele
Zitat von localpatriotGroesse bringt Einfluss. Man muss mit einem Land das 20 bis 25% der Menschheit in jeder Hinsicht rechenen: - als Kunde, - als Lieferant, - als Konkurrent - als Geldgeber. In jeder Hinsicht wirft China einen grossen Schatten. Chinesen sehen Deutschland mit Respekt und so lange sich die deutschen Politiker nicht uebenehmen, kann man langfristig ein gutes Verhaeltnis erwarten. Persoenliche Freiheit ist bei einem 1,5 Milliarden Volk immer Mangelware. 5 Milliarden Mahlzeiten taeglich auf den Tisch zu stellen waere fuer jede Gesellschaft eine Herausforderung dabei kann man steten Fortschritt nur durch Stabilitaet erreichen.
Das ist richtig und nicht nur China wirft großen Schatten, auch andere wie Indien und Brasilien machen mehr Schatten. Umgekehrt wird Europas Schatten kleiner - heute machen wir noch 20% der Weltbevölkerung aus - 2050 noch 7% und 2100 nur noch 4%.
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