Suizid-Statistik Mehr Selbstmörder als Gefallene in US-Armee

Die Zahl der Selbstmorde im US-Militär ist in diesem Jahr deutlich gestiegen. Im Durchschnitt tötet sich pro Tag ein Soldat - damit sterben mehr amerikanische Soldaten durch Suizid als bei Kämpfen in Afghanistan. Die Militärführung gibt sich überrascht.
US-Soldaten in Afghanistan: Mehr Tote durch Selbstmord als durch Kämpfe

US-Soldaten in Afghanistan: Mehr Tote durch Selbstmord als durch Kämpfe

Foto: DMITRY KOSTYUKOV/ AFP

Washington - Die Zahl der Selbstmorde unter amerikanischen Soldaten hat in diesem Jahr deutlich zugenommen. Durchschnittlich nimmt sich jeden Tag ein Angehöriger der US-Streitkräfte irgendwo auf der Welt das Leben, wie aus Statistiken des Pentagon hervorgeht, aus denen die Nachrichtenagentur AP zitiert.

In den ersten 155 Tagen dieses Jahres töteten sich 154 Soldaten. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Damit starben insgesamt mehr US-Soldaten durch die eigene Hand als bei Kämpfen in Afghanistan in der Vergangenheit, die Jahre 2008 und 2009 mitgerechnet. In die Statistiken eingeflossen sind nur die Selbstmorde von Soldaten im aktiven Dienst, Selbstmorde von Veteranen wurden nicht berücksichtigt.

Weil die Zahl der Selbstmorde 2010 und 2011 zurückgegangen war, zeigen sich die Behörden nun von der neuen Entwicklung überrascht. "Wir hätten eine geringere Anzahl an Selbstmorden erwartet", sagte Jackie Garrick, Chefin des Defense Suicide Prevention Office, einer neuen Abteilung für Selbstmordprävention im Pentagon. Mögliche Gründe für die Zunahme sind posttraumatischer Stress, Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten und finanzielle Probleme. Auch sexuelle Übergriffe, Alkoholmissbrauch und häusliche Gewalt kommen unter US-Soldaten im aktiven Dienst immer häufiger vor.

1,4 Millionen Amerikaner dienen im Militär

Aus den Erhebungen des Pentagon geht hervor, dass Soldaten mit mehreren Kampfeinsätzen stärker selbstmordgefährdet sind. Das US-Militär hat ein Jahrzehnt mit Kriegseinsätzen in Irak und Afghanistan hinter sich, die deutlich schwieriger und länger ausfielen als erwartet.

Der Kriegseinsatz in Afghanistan soll nach dem Plan von Präsident Barack Obama bis Ende 2014 beendet sein. Doch in diesem Jahr stieg noch einmal die Zahl der im Kampf getöteten amerikanischen Soldaten. Außerdem gab es mehrere Skandale von US-Truppen in Afghanistan, wie die Koran-Verbrennung oder den Amoklauf eines Soldaten, der im März 16 afghanische Zivilisten erschoss.

Ingesamt dienen 1,4 Millionen Amerikaner zur Zeit aktiv im Militär. Die Zahl der Selbstmorde im US-Militär begann im Jahr 2006 zu steigen. Daraufhin hat das Militär nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren verstärkt in Beratungs-Hotlines, Übungen zum Stress-Management und Forschung zu psychischer Gesundheit investiert. Außerdem wurden Kampagnen gestartet, die Soldaten ermutigen sollen, bei psychischen Problemen Hilfe zu suchen.

fab/AP/dapd
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