In der Türkei verschwunden Iran wirft Westen Entführung von Ex-General vor

Der frühere iranische Vizeminister Ali Reza Asgari ist in der Türkei spurlos verschwunden. Hat er in den USA Asyl beantragt? Was weiß er über das Atomprogramm? Irans Polizeichef beschuldigt den Westen: Er habe den Ex-General verschleppt.


Teheran/Jerusalem - Die Verwirrung ist groß. Fest steht lediglich, dass Ali Reza Asgari am 7. Februar 2007 aus Damaskus kommend in ein Istanbuler Hotel eincheckte, kurz darauf jedoch spurlos verschwand. Polizeiliche Ermittlungen hätten zudem ergeben, dass Asgari nicht die Türkei verlassen habe, sagte Irans Polizeichef Ismail Ahmadi-Moghaddam heute der staatlichen Nachrichtenagentur Ilna. Auch gebe es keinerlei Hinweise auf eine Erkrankung oder gar ein Ableben Asgaris.

Ahmadi-Moghaddam vermutet andere Ursachen für das Verschwinden: "Es ist wahrscheinlich, dass der ehemalige Vize-Verteidigungsminister von westlichen Geheimdiensten aufgrund seines verteidigungspolitischen Hintergrunds verschleppt worden ist." Das türkische Innenministerium wollte die Angaben zunächst weder bestätigen noch dementieren und teilte lediglich mit, man untersuche den Fall.

Zuvor hatten türkische und israelische Medien den Fall aufgegriffen und die Spekulationen um seine Biografie und seinen Verbleib angeheizt. Die Zeitung "Hürriyet" hatte vor einigen Tagen berichtet, der ehemalige General im Kabinett des früheren Präsidenten Mohammed Chatami habe den berüchtigten Revolutionsgarden angehört. Eine seiner Aufgaben sei zudem gewesen, im Libanon die Zusammenarbeit zwischen der schiitischen Hisbollah und Iran zu stärken.

Hat Asgari Informationen über das iranische Atomprogramm?

Die türkische Zeitung "Milliyet" zog gar eine Verbindung zwischen dem umstrittenen iranischen Atomprogramm und Asgaris Verschwinden. Das Blatt berichtete unter Berufung auf namentlich ungenannte Beamte, türkische Geheimdienste gingen davon aus, der 63-Jährige sei ein Gegner der derzeitigen iranischen Regierung und habe wichtige Informationen über nukleare Ambitionen des Landes.

Auch die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" behauptete, Asgari kenne ein Reihe militärischer Geheimnisse und könne möglicherweise auch Angaben zum iranischen Atomprogramm machen. Der Grund seines Verschwindens sei jedoch keineswegs eine westliche Verschwörung. Unter Berufung auf "hochrangige Informanten" berichtete das Blatt heute, Asgari sei am 7. Februar nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in Istanbul untergetaucht und habe Asyl in den USA beantragt.

Iran probt den Ernstfall

Unterdessen haben sich die iranischen Sicherheitskräfte heute mit einem Manöver darauf vorbereitet, einen möglichen Luftangriff auf die Atomanlage in Isfahan abzuwehren. Die iranische Luftabwehr habe den Ernstfall für die Anlage in Isfahan geprobt, in der Uran für die Anreicherungsanlage im zentraliranischen Natans umgewandelt wird, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. An der Übung beteiligten sich nach Angaben des Gouverneursbüros von Isfahan neben der Luftabwehr auch Rettungskräfte. Verteidigungsminister Mostafa Mohammed Nadschar hatte in einem Interview mit einer Regierungszeitung Vorbereitungen auf mögliche Angriffe gegen sein Land angekündigt. "Unsere Verteidigungsmöglichkeiten müssen bereit sein, um unsere nationalen Ziele zu erreichen und den Bedrohungen unserer Sicherheit entgegenzusehen", sagte er darin.

Die USA und westliche Staaten verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Energieprogramms insgeheim an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Die Vereinten Nationen haben wegen des umstrittenen Atomprogramms bereits Sanktionen verhängt. Derzeit laufen Gespräche, eventuell weitere Strafmaßnahmen auf den Weg zu bringen, um den Druck auf Iran zu verstärken.

vm/ap/rtr



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