Kriegsreporter In Syrien festgehaltener deutscher Journalist wieder frei

In eine dunkle Zelle gesteckt und den Schädel rasiert: Anfang Mai wurde ein deutscher Reporter in Syrien von regimetreuen Truppen festgenommen. Jetzt ist er wieder frei - und berichtet von seiner Zeit in Gefangenschaft.

Berlin - "Der Fall konnte gelöst werden", heißt es vom Auswärtigen Amt: Der von Assad-Truppen in Syrien festgenommene Journalist Armin Wertz ist frei und nach Deutschland zurückgekehrt. Wertz war Anfang Mai in der syrischen Stadt Aleppo in festgenommen worden, die Behörden warfen ihm Einreise ohne Visum sowie unerlaubtes Fotografieren vor.

"Dabei habe ich gar nicht fotografiert", sagte er nach seiner Freilassung der Nachrichtenagentur dpa. "Ich hatte zwar eine Kamera dabei, fotografiert habe ich aber nicht." Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut. Er habe allerdings viel abgenommen, und die Wärter im Gefängnis hätten ihm regelmäßig den Schädel rasiert. Geschlagen worden sei er aber nicht. Er habe viel Zeit in einer dunklen Zelle verbracht, Wächter und Polizeibeamte hätten wochenlang kein Wort mit ihm gewechselt.

Wie viele andere Kollegen war Wertz, der in Indonesien lebt und als freier Reporter unter anderem für den Berliner "Tagesspiegel" schreibt, über die mehr oder minder offenen Grenzen der Nachbarländer nach Syrien gereist. Er wollte dort für zwei asiatische Blätter über den Aufstand der Rebellen gegen das Assad-Regime berichten.

Doch in den Augen des Regimes ist schon die Einreise in die Rebellengebiete ohne ein gültiges Visum eine Straftat. Mehrere Journalisten sind bereits wegen dieses Vergehens festgesetzt worden. Einige befinden sich immer noch in Haft, die Lösung solcher Fälle gilt bei den westlichen Regierungen als äußerst schwierig.

Gefährliches Berichtsgebiet

Nach seiner Verhaftung hatte sich das Auswärtige Amt eingeschaltet und in einem - wie es damals hieß - komplizierten Verfahren um die Freilassung bemüht. Das hatte sich in den vergangenen Monaten als schwierig erwiesen, da die deutsche Botschaft in Damaskus seit längerem geschlossen ist. Zu Details des Vorgehens der deutschen Seite sagte die Außenamtssprecherin nichts.

Vor zehn Tagen sei er von Aleppo nach Damaskus gebracht worden, schilderte der Journalist. Da sei ihm klar gewesen, dass er bald freikomme. Am Samstag flog er in Begleitung von drei deutschen Beamten von Beirut über Frankfurt nach Berlin.

Für die Bundesregierung ist es nicht der erste Fall eines in Syrien festgesetzten deutschen Journalisten. Mit viel Mühe hatte das Auswärtige Amt im März einen freien Reporter, der ohne Visum in die Rebellengebiete gereist war, nach zähen Verhandlungen aus der Haft des Assad-Regimes freibekommen. Damals wie heute warnte das Amt vor allen Reisen in die Kriegszone.

Der Konflikt in Syrien ist für alle Journalisten ein gefährliches Berichtsgebiet. Laut einem Komitee zum Schutz von Reportern wurden allein im vergangenen Jahr 21 Journalisten entweder von den Regimetruppen verhaftet oder von Rebellenmilizen entführt. Derzeit sind noch mindestens fünf Reporter verschollen, darunter auch zwei italienische Journalisten.

vks/mgb/dpa