Indien 180 Festnahmen bei olympischem Fackellauf

Ausnahmezustand in Neu-Delhi: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und massiven Sicherheitsvorkehrungen ist die olympische Fackel durch Indiens Hauptstadt getragen worden. 15.000 Polizisten verhinderten Proteste, rund 180 pro-tibetische Demonstranten wurden festgenommen.


Neu-Delhi - Bei Protesten gegen den streng bewachten olympischen Fackellauf in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi sind etliche pro-tibetische Demonstranten festgenommen worden. Zwischen 170 und 180 Menschen befänden sich in Gewahrsam der Polizei, sagte ein indischer Polizeioffizier.

Anti-China-Demonstrant in Neu-Delhi: 15.000 Polizisten im Einsatz
AFP

Anti-China-Demonstrant in Neu-Delhi: 15.000 Polizisten im Einsatz

Tausende Sicherheitsbeamte schirmten den Lauf gegen die Öffentlichkeit ab - denn der Fackellauf durch Neu-Delhi zählte zu den heikelsten Etappen der weltweiten Veranstaltung: Schließlich leben rund 100.000 tibetische Flüchtlinge in Indien, unter ihnen auch ihr geistliches Oberhaupt, der Dalai Lama.

15.000 Polizisten waren im Einsatz, Soldaten sowie eine Anti-Terroreinheit bewachten den Fackellauf. Die Strecke war auf 2,3 Kilometer verkürzt worden. Da die Polizei Selbstverbrennungen von Exil-Tibetern befürchtete, waren drei Löschfahrzeuge nahe der Route stationiert.

Bereits vor dem Startschuss wurde eine kleine Gruppe von Demonstranten festgenommen, die in das Hotel der chinesischen Olympiadelegation eingedrungen war.

Aus Protest gegen die chinesische Tibet-Politik veranstalteten rund 2000 Exil-Tibeter in Neu-Delhi einen alternativen Fackellauf. Der von buddhistischen Mönchen geleitete Zug begann am Mausoleum Mahatma Gandhis und führte durch das Stadtzentrum.

Die tibetische Exilregierung in Indien hatte vor dem Start zu gewaltlosen Protesten am Rande der Strecke aufgerufen. Es sei wichtig, Indien nicht zu blamieren, sagte ein Sprecher der Exilregierung. Bei Protesten in der indischen Finanzmetropole Bombay wurden nach Angaben der Polizei mindestens 46 Exil-Tibeter festgenommen. Die Demonstranten hatten versucht, das chinesische Konsulat zu stürmen. In der nepalesischen Hauptstadt Katmandu nahm die Polizei mehr als 500 Exil-Tibeter fest, die vor der chinesischen Botschaft protestierten.

Rund einen Monat nach Beginn der anti-chinesischen Proteste in Tibet verschob die chinesische Regierung die Wiederöffnung der Provinz für Touristen. Die Situation sei noch nicht "reif", sagte ein Vertreter der Tourismusbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Wann die Himalaja-Region wieder für Touristen geöffnet werde, sei noch nicht entschieden. Anfang April hatte Peking noch mitgeteilt, ab Anfang Mai könne die Region wieder von Touristen bereist werden.

Der Zugang zu Tibet war für Ausländer nach Beginn der gewaltsamen Ausschreitungen am 14. März von China geschlossen worden. Bei der blutigen Niederschlagung der anti-chinesischen Proteste wurden nach Angaben der tibetischen Exilregierung mindestens 150 Menschen getötet. Peking spricht von rund zwanzig Toten. Die Unruhen in Tibet hatten vor den Olympischen Sommerspielen in Peking massive internationale Kritik an China und Rufe nach einem Olympiaboykott ausgelöst.

ssu/AFP



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