Ram Nath Kovind Favorit gewinnt Präsidentenwahl in Indien

Die Wahl war eine Sensation: Erstmals standen in Indien zwei Kandidaten aus der niedrigsten Kaste für das höchste Amt zur Wahl. Nun steht der neue Präsident fest.
Wahlsieger Ram Nath Kovind

Wahlsieger Ram Nath Kovind

Foto: Manish Swarup/ AP

Der Gouverneur und frühere Anwalt Ram Nath Kovind wird neuer Präsident Indiens. Nach Angaben des Wahlausschusses setzte sich der 71-Jährige gegen seine Kontrahentin Meira Kumar durch. Knapp 66 Prozent der Abgeordneten stimmten demnach für den Kandidaten der hinduistischen Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP).

Kovind war als Favorit ins Rennen gegangen, da die BJP über eine komfortable Mehrheit im Unterhaus verfügt. Dennoch galt die Wahl international als Sensation, weil erstmals beide Bewerber um das Amt der untersten Stufe des Kastenwesens angehören. Diese galten früher als Unberührbare. Die Dalits, wie sie sich selbst nennen, werden noch immer diskriminiert. (Lesen Sie hier mehr über das "Duell der Unberührbaren".

Auch wenn der Präsident Indiens - ähnlich wie der deutsche Bundespräsident - in der Praxis nur eine geringe tatsächliche Macht hat, gilt das Votum deshalb als ein wichtiges Signal: Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte des Landes, dass ein Dalit in den Rashtrapati Bhavan einzieht, Indiens Präsidentenpalast. Kocheril Raman Narayanan war in den Neunzigerjahren der erste Staatschef aus der Gruppe der Unberührbaren.

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Indien: Entscheidung zwischen zwei Dalits

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Kovind stammt aus einem Dorf in Uttar Pradesh, ist der Sohn eines Bauern und wuchs in einer Familie mit neun Kindern auf. Seit Ende der Siebzigerjahre ist der studierte Anwalt in der Politik, seit 1991 Parteimitglied. Zuletzt war er Gouverneur des Bundesstaats Bihars, wo er allerdings wenig auffiel. Kovind soll wie Premierminister Narendra Modi der RSS nahestehen - einer Organisation, die eine hindu-nationalistische Agenda verfolgt.

Unberührbarkeit gehört zu den größten Sünden Indiens: Es ist der Glaube, dass es Menschen gibt, die unrein sind, weil ihre Vorfahren traditionell niedere Arbeiten ausgeführt haben, sei es Toiletten zu reinigen oder Kühen die Haut abzuziehen. Nach diesem Denken darf nicht einmal der Schatten eines Unberührbaren auf ein Mitglied einer höheren Kaste fallen. Er könnte ihn beschmutzen.

Kovinds Herausfordererin Meira hatte auf einer Pressekonferenz die Konzentration auf ihre Herkunft im Wahlkampf kritisiert. Es mache sie traurig, dass Indien im Jahr 2017 noch immer nach alten Linien denke, beklagte sie auf einer Pressekonferenz und fragte: "Haben Kovind und ich keine andere Qualifikation?"

brk/dpa
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