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Wahlen in Indien: Alter Premier, neue Verhältnisse

Foto: Biju Boro/ AFP

Klarer Wahlsieg Modis Triumph - und was sich in Indien ändert

Narendra Modi verkauft sich als harter Macher - das kommt in Indien an: Der Hindu-Nationalist wird Premier bleiben, ein klarer Sieg zeichnet sich ab. Aber die Wahl hat auch viele Umwälzungen gebracht.

Noch werden in Indien die Stimmen ausgezählt, aber schon jetzt zeichnet sich ein historischer Sieg für Narendra Modi ab. Seine BJP kann sich aller Voraussicht nach erneut eine Mehrheit der 545 Sitze im Parlament sichern - womöglich sogar mehr als 2014. Die Partei hat - bis auf Teile des Südens - in fast allen Bundesstaaten eine große Anzahl Sitze gewonnen. Auch in solchen, in denen sie bislang eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Gemeinsam mit ihrem Bündnis der National Democratic Alliance kommt sie derzeit auf weit mehr als 300 Sitze.

Derartige Mehrheiten sind in Indien selten, Koalitionen die Regel. Das politische System ist ein kaum überschaubares Wirrwarr aus Kasten, Sprachen und Parteien - es gibt wenig, was das Land eint. Modi jedoch, ein 68 Jahre alter Hindu-Nationalist, schafft genau das. Die indische Börsenkurse schnellten als Reaktion in die Höhe.

Und das ist nicht die einzige Entwicklung, die diese Wahl für das Land bringt. Hier sind drei weitere.

1. Nationalismus geht über Fortschritt

Bei der vergangenen Wahl versprach Modi den Indern - viele davon jung und ehrgeizig - ein Land, in dem vieles besser werden würde: neue Städte und Straßen, saubere Flüsse, mehr Jobs und weniger Korruption. Er versprach "Acche Din" - die guten Tage. Die Welt würde schon bald nach Indien schauen - und zwar mit Bewunderung. Die Stimmung, die Modi vor fünf Jahren zum Sieg trug, war euphorisch.

Davon war in diesem Wahlkampf wenig zu spüren. Die Regierung hat in den vergangenen fünf Jahren Millionen Toiletten gebaut und fast alle Dörfer ans Stromnetz angeschlossen. Veränderungen, die das Leben vieler Bürger, gerade im ländlichen Indien, zum Besseren gewendet hat. Sie hat eine landesweite Umsatzsteuer eingeführt, was in Indien, wo zuvor jeder Bundesstaat seine eigene Regelung hatte, ebenfalls keine Kleinigkeit ist. Aber es fehlen auch Millionen von Jobs. Die Landwirtschaft, in der immer noch viele Inder arbeiten, steckt in der Krise. Die ganz großen Reformen blieben aus.

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Wahlen in Indien: Alter Premier, neue Verhältnisse

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Stattdessen appellierte die hindunationalistische BJP dieses Mal an den Stolz der Inder - und schürte manchmal auch ihren Hass. Modi prahlte mit der Schlagkraft der Armee. Damit, dass die Luftwaffe dem Erzfeind Pakistan im Februar eine Lektion erteilt habe. Kandidaten der Partei hetzten gegen Muslime, die rund 14 Prozent der Bevölkerung stellen. Der Parteipräsident, die Nummer zwei nach Modi, nannte Einwanderer aus Bangladesch "Termiten". Die BJP behauptet zwar, ihre Politik diskriminiere nicht gegen Minderheiten. Aber viele Muslime in Indien plagt die Angst vor der Zukunft, und dieses Wahlergebnis wird ihre Sorgen noch verstärken.

2. Indien wird autoritärer

Modi gilt bei seinen Anhängern als Machertyp. Einer, der in Interviews schon mal Dinge sagt wie: "Ein Mann vollbringt in fünf Jahren, was in 70 Jahren nicht gelang", und damit natürlich sich selbst meint. Bei den Wählern kommt das Image des starken Mannes gut an. Viele haben nicht für Modis Partei oder ihren Kandidaten vor Ort gestimmt; sie wollen Modi - und ihn allein. Wäre er nicht angetreten, hätten sie nicht für die BJP gestimmt, sagten Wähler in Umfragen. Kritiker fürchten, dass Modi, bestätigt durch das gute Ergebnis, seinen autoritären Führungsstil fortführen wird.

Zugleich wird Indien aber auch egalitärer. Modis großer Rivale, die Kongresspartei, ist noch weit von ihrer alten Stärke entfernt - konnte bei der Wahl aber hinzugewinnen. Sie wird von Rahul Gandhi geführt, einem 48-Jährigen aus illustrer Familie. Schon Gandhis Urgroßvater und Großmutter waren Premiers. Gegen die finanziell besser ausgestatte und besser organisierte BJP hatte sie keine Chance. Aber das war es nicht allein .

3. Frauen finden ihre Stimme

Zum ersten Mal lag die Wahlbeteiligung unter Frauen so hoch wie die unter Männern, nämlich bei 67 Prozent. Das deutet auf eine gewisse Emanzipierung hin - die sich allerdings noch nicht in politischen Ämtern niederschlägt. Der Anteil der weiblichen Abgeordneten im Parlament liegt niedriger als der in den Nachbarländern Pakistan oder Bangladesch. Gewalt gegen Frauen ist im Land weit verbreitet. Vor den Wahl zeigte sich, dass die Namen von 21 Millionen wahlberechtigten Frauen nicht auf den Wählerlisten auftauchten - vermutlich weil ihre konservativen Familien sie davon abhalten, sich zu registrieren.

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