Indien Rebellen kapern Zug und nehmen Hunderte Geiseln

Terror überschattet die Wahlen in Indien: Bei einem Überfall auf einen Zug haben 200 maoistische Rebellen Hunderte Passagiere als Geiseln genommen. Das Kommando ließ die Geiseln später wieder frei - und zog sich in den Dschungel zurück.

Ranchi - Es war eine Demonstration von Macht und Stärke der Aufständischen: Rund 200 maoistische Rebellen haben in Indien einen Passagierzug gestürmt und zwischenzeitlich 500 Reisende als Geiseln genommen. Nach Angaben des Nachrichtensenders NDTV befanden sich sogar 700 Personen in den Wagons. Doch die Geiseln kamen mit dem Schrecken davon: Die Aufständischen sprangen nach kurzer Zeit wieder vom Zug und verschwanden im nahegelegenen Dschungel.

Die Polizei teilte mit, die radikalen Maoisten hätten die Bahn am Mittwoch im östlichen Bundesstaat Jharkhand entführt, teilte die Polizei mit. Sie zwangen dann den Zugführer, den Bahnhof von Latehar anzusteuern, einer Hochburg der Rebellen. Kurz darauf gaben sie den Zug wieder frei. Ein Regierungsvertreter in Jharkhand sagte, alle Entführten seien unverletzt.

Der Angriff überschattet die Wahlen in Indien, in denen bis zum 13. Mai über das Unterhaus und die neue Regierung entschieden wird - am Donnerstag geht die Abstimmung in die zweite Phase. Bereits am ersten Wahltag in der vergangenen Woche hatten maoistische Rebellen mehrere Anschläge verübt, bei denen 16 Menschen ums Leben kamen. Am Dienstag sprengten sie einen Bahnhof in Jharkhand, ein Schulgebäude und ein Gesundheitszentrum in die Luft.

Die Rebellen kämpfen nach eigenen Angaben für die Rechte der landlosen Arbeiter und armen Bauern. In den vergangenen Jahren haben sie auch immer wieder Personenzüge in ihre Gewalt gebracht. Nach einigen Stunden ließen sie die Passagiere jedoch gewöhnlich unverletzt wieder frei. Bei Zusammenstößen mit Aufständischen sind in den vergangenen Jahren rund 500 Zivilisten und Polizisten ums Leben gekommen.

Auch die indische Unruheprovinz Kaschmir wurde von einem Terrorakt erschüttert. Bei einer Bombenexplosion starben dort fünf Menschen. Kaschmir ist geteilt in einen indischen und einen pakistanischen Teil. Beide Länder haben mehrere Kriege um die Grenzregion ausgefochten.

Mehr als 700 Millionen Inder sind derzeit aufgerufen zu wählen. In fünf Etappen wird über die Zusammensetzung der Lok Sabha, des Unterhauses, sowie über eine neue Regierung abgestimmt. Mitte Mai soll das Ergebnis feststehen. Wie es aussehen wird, wagt kaum jemand zu prognostizieren - fest steht nur, dass die regierende Kongress-Partei und die oppositionelle Bharatiya Janata Party (BJP) die meisten Stimmen erhalten werden. Doch für eine Alleinregierung wird es bei mehr als hundert Parteien und Dutzenden Bewerbern für das Amt des Premierministers kaum reichen. Die Parteienlandschaft ist unübersichtlich, viele politische Gruppen vertreten nur regionale Interessen.

beb/AFP/Reuters/AP/dpa
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