Indien Regierung versucht zu beruhigen

Der indische Botschafter in den USA, Lalit Mansingh, hat die von den US-Regierung ausgesprochene Reisewarnung in sein Land als unnötig bezeichnet. Es drohe kein Krieg. Auch Indiens Verteidigungsminister bemühte sich, die Lage zu entdramatisieren.


Raleigh - Der indische Verteidigungsminister George Fernandes sieht keine unmittelbare Gefahr für einen Krieg mit Pakistan wegen des Kaschmir-Konflikts. Fernandes sagte dies am Samstag bei einer asiatischen Sicherheitskonferenz in Singapur. Fernandes beschrieb die Situation an der Grenze zwischen den beiden Nuklearmächten als "stabil". Fernandes betonte, er sehe augenblicklich keinen Anlass zur Sorge.

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz warnte bei der Konferenz mit mehr als 150 Verteidigungsministern und hohen Beamten, vor den "katastrophalen Konsequenzen" eines möglichen Krieges zwischen den beiden Nuklearmächten auf dem Subkontinent. Wolfowitz, der mit Fernandes am Freitag zusammengetroffen war, erklärte, Krieg sei keine Lösung für das Problem.



Wegen des derzeitigen Konflikts mit Pakistan müssten auch keine Amerikaner, wie von Washington empfohlen, Indien verlassen, sagte zeitgleich der indische Botschafter Mansingh am Freitag in einem AP-Interview in Raleigh. Der Botschafter, der sich zu einem Vortrag an der Universität von North Carolina aufhielt, versicherte, dass Indien keinen Krieg wolle und auch nicht einen Erstschlag mit Atomwaffen führen werde.

US-Außenminister Colin Powell sagte unterdessen in Washington, einige seiner Berater seien darüber besorgt, "dass die Inder zu dem Schluss kommen könnten, dass sie (Pakistan) angreifen sollten". In einem Interview mit dem britischen Rundfunksender BBC sagte er weiter, er kenne die Zeitplanung Indiens nicht, das in den letzten Tagen mehrfach erklärt hatte, es verliere im Kaschmir-Konflikt allmählich die Geduld.

Mansingh sagte, bei dem Konflikt um die zwischen Indien und Pakistan geteilte Kaschmirregion Kaschmir handele es sich um eine "Schlacht, in der wir es uns nicht leisten können, fahrlässig zu sein." Er fügte hinzu: "Wir haben Geduld gezeigt. Während die militärische Option da ist, sollte sie doch unsere allerletzte Option sein."

Reisewarnungen in die Region haben neben den USA auch Großbritannien, Deutschland und Kanada ausgesprochen.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.