Konfliktregion Indien spaltet Bundesstaat Jammu und Kaschmir in zwei Teile

Erst entzog die indische Regierung Kaschmir den Sonderstatus und schickte Zehntausende Soldaten. Jetzt teilt sie die Region auf: Künftig werden Jammu und Kaschmir als zwei getrennte Bundesstaaten von Neu Dehli aus regiert.

Proteste in Kaschmir (August 2019)
Danish Siddiqui/ REUTERS

Proteste in Kaschmir (August 2019)


Indien hat den nördlichen Bundesstaat Jammu und Kaschmir in zwei Teile aufgespalten. Sie sollen direkt von Neu Delhi aus regiert werden. Die mehrheitlich von Buddhisten bewohnte Region Ladakh an der Grenze zu China wurde von dem übrigen, mehrheitlich muslimischen Jammu und Kaschmir abgetrennt, teilte die Regierung am Donnerstag mit.

Die beiden neuen Gouverneure legten noch am selben Tag ihren Amtseid ab. Mit dem Schritt will Narendra Modis hindunationalistische Regierung in Neu Delhi ihre Kontrolle über den indischen Teil Kaschmirs stärken.

Kaschmir ist unter Indien, Pakistan und China aufgeteilt; Pakistan beansprucht auch den indisch regierten Teil. Beide Länder haben nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft und der Aufspaltung Britisch-Indiens in Indien und Pakistan im Jahr 1947 bereits zwei Kriege um das Himalaja-Gebiet geführt.

Indien geht mit Härte gegen die Bevölkerung vor

Neu Delhi hatte Jammu und Kaschmir bereits Anfang August seinen teilautonomen Status entzogen, der dem Bundesstaat eine eigene Verfassung und weitgehende politische Rechte zugesichert hatte. Dies hatte die Spannungen im Verhältnis zu Pakistan erheblich verschärft.

Um Proteste zu unterdrücken, hatte die Regierung in Delhi im August Zehntausende Soldaten nach Jammu und Kaschmir geschickt und die Bewegungsfreiheit der Menschen stark eingeschränkt. Noch immer gibt es vielerorts keinen Internetzugang, Tausende Politiker und Aktivisten sind weiter in Haft.

Bei Protesten und Zusammenstößen mit bewaffneten Gruppen sind Berichten zufolge in den vergangenen zwei Monaten mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Viele Schulen sind weiterhin geschlossen.

asa/höh/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.