Überraschungstreffen Indien-Pakistan "Bitte, kommen Sie auf einen Tee vorbei"

Spontaner Besuch beim Erzfeind: Weil er gerade in der Gegend war, soll Indiens Premier Modi kurzfristig um einen Termin bei seinem pakistanischen Amtskollegen gebeten haben. Die Zusage erfolgte prompt - plus Einladung zum Tee.
Pakistans Ministerpräsident Sharif (l.) empfängt Indiens Premier Modi: Vorsichtige Annäherung

Pakistans Ministerpräsident Sharif (l.) empfängt Indiens Premier Modi: Vorsichtige Annäherung

Foto: PIB/ AFP

Sie haben sich zur Begrüßung umarmt und eine Stunde beim Tee miteinander gesprochen - mehr ist eigentlich nicht passiert beim Kurzbesuch des indischen Premierministers Narendra Modi beim pakistanischen Ministerpräsidenten Nawaz Sharif. Weil es aber seit elf Jahren die erste Visite eines indischen Regierungschefs beim Erzfeind war, wurden die beiden aufmerksam beobachtet.

Seit den Bombenanschlägen pakistanischer Extremisten im indischen Mumbai 2008 ist das Verhältnis zwischen den Atommächten äußerst angespannt. Sie streiten auch über die Grenzregion Kaschmir.

Das Gespräch sei in angenehmer Atmosphäre verlaufen, hieß es im pakistanischen Staatssender PTV. Der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums teilte mit, die beiden Regierungschefs hätten sich darauf geeinigt, die Kontakte auszuweiten und verstärkt an gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu arbeiten.

Modi kam aus dem afghanischen Kabul, wo er am Mittag das von Indien gestiftete neue Parlamentsgebäude eröffnet hatte. Dem pakistanischen Außenstaatssekretär zufolge rief der indische Premier kurz vor seinem Abflug in Pakistan an und fragte, ob er auf dem Heimweg vorbeikommen könne. Sharif habe geantwortet: "Bitte, seien Sie unser Gast, kommen Sie vorbei und trinken Sie Tee mit mir." Pakistanische Medien hatten den Weg von Modis Flugzeug verfolgt und die Meter bis zur Landung gezählt.

Einen kleinen Seitenhieb gab es dennoch

In Pakistan und Indien waren die meisten Reaktionen auf den Besuch positiv. Die indische Außenministerin Suschma Swaradsch twitterte: "So ist es staatsmännisch." Indische Beobachter sagten im Fernsehen, die Geste sei "visionär und mutig". Der pakistanische Sicherheitsanalyst Talat Massud sagte, der Besuch zeige, dass Indiens Haltung zu Pakistan sich ändere. Das sei ein gutes Zeichen für den Frieden.

Indien und Pakistan sind seit einem Monat auf Annäherungskurs. Den Anfang machte ein Handschlag Modis mit Nawaz Sharif bei der Pariser Klimakonferenz Ende November. Dann trafen sich Sicherheitsberater beider Länder in Bangkok - ein Treffen, das zuvor mindestens zweimal abgesagt worden war.

Zum ersten Mal seit drei Jahren reiste mit Suschma Swaradsch dann am 10. Dezember ein indischer Außenminister nach Islamabad. Dort vereinbarten Indien und Pakistan, die nach der Terrorserie in Mumbai ausgesetzten Friedensgespräche wiederaufzunehmen.

Die Politik beider Länder bleibt aber zweideutig. Während seiner Rede in Kabul erwähnte Modi Pakistan nicht direkt - einige Bemerkungen können aber als Seitenhieb auf den Erzfeind verstanden werden, dem vorgeworfen wird, den Terrorismus in Afghanistan zu fördern. So sagte er, dass es Afghanistan besser gehen werde, sobald die "Kinderstuben des Terrorismus" geschlossen würden und ihre Unterstützer aufhörten, ihn zu finanzieren.

nck/dpa/Reuters
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