Streit der Atommächte Indien will Luftangriff in Pakistan geflogen haben

Pakistan sagt, Indien habe seinen Luftraum verletzt. Indien behauptet gar, einen Luftangriff durchgeführt und ein Terrorlager zerstört zu haben. Die Spannung zwischen den beiden Ländern nimmt weiter zu.


Ein Vorfall im pakistanischen Luftraum vergrößert die Spannungen zwischen Indien und Pakistan gut eine Woche nach einem schweren Anschlag im indischen Teil Kaschmirs. Während das pakistanische Militär nur von einer Verletzung seines Luftraums ohne Verluste und Schäden spricht, stellt die indische Seite den Fall noch drastischer dar: Demnach habe es laut einem Minister einen Luftangriff auf terroristische Lager gegeben. Würde sich das bestätigen, wäre das eine neue Stufe der Eskalation. Seit vielen Jahren gab es keine Luftschläge zwischen den Ländern.

Laut dem pakistanischen Militär seien Flieger aus Indien um 4 Uhr morgens (Ortszeit) über die De-facto-Grenze geflogen, teilte der pakistanische Armeesprecher Asif Ghafoor auf Twitter mit. Pakistanische Kampfflieger hätten "rechtzeitig und effektiv" darauf reagiert. Das hätte dazu geführt, dass die indischen Flieger nur hastig ihre "Nutzlast" abgeworfen hätten.

Die indische Version verkündete ein Minister ebenfalls auf Twitter: "Die Luftwaffe hat heute am frühen Morgen einen Luftangriff auf ein Terrorlager auf der anderen Seite der LoC (Line of Control; deutsch: Demarkationslinie, also die De-facto-Grenze) durchgeführt und es komplett zerstört", schrieb der Staatsminister für Landwirtschaft, Gajendra Singh Shekhawat.

Zu den Folgen des mutmaßlichen Angriffs hieß es aus Indien, es sei eine "große Zahl" an Terroristen, Ausbildern, hochrangigen Befehlshabern und potenziellen Selbstmordattentätern "eliminiert" worden. Es habe "glaubwürdige Informationen" über geplante Selbstmordattentate in mehreren Landesteilen gegeben, sagte der Vertreter des Außenministeriums. Ein Präventivangriff sei "absolut notwendig" gewesen.

Spannungen haben nach schwerem Anschlag zugenommen

Auch mehrere indische Medien, die sich auf Regierungsquellen berufen, berichteten, Kampfjets hätten Bomben über Trainingslagern der Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed in der Nähe der De-facto-Grenze zwischen den zwei verfeindeten Atommächten abgeworfen. Der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums erklärte am Montag, dass eine Dringlichkeitssitzung unter Leitung des Außenministers Shah Mehsood Qureshi einberufen worden sei.

Die Spannungen zwischen den beiden Atommächten hatten in den vergangenen zwei Wochen zugenommen, nachdem ein junger Mann aus dem indischen Teil Kaschmirs eine Autobombe gezündet und 40 Angehörige der paramilitärischen Polizeitruppe CRPF getötet hatte. Die aus Pakistan stammende Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed reklamierte den Anschlag für sich. Es war der schwerste Angriff auf indische Sicherheitskräfte in Kaschmir seit Beginn des Aufstandes von Separatisten und Islamisten vor 30 Jahren.

DER SPIEGEL

Indien machte Pakistan für den Anschlag verantwortlich und kündigte eine "gebührende Antwort" an. Die Regierung in Islamabad wies den Vorwurf zurück. Der Vorfall setzt auch den indischen Premier Narendra Modi unter Druck. Denn viele Inder fordern offen Vergeltung - und Modi muss sich bald erneut zur Wahl stellen.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Trennung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen beide Länder Kaschmir für sich, sie kontrollieren jeweils einen Teil. Pakistan und Indien führten bereits zwei Kriege um das Tal.

aev/dpa/Reuters



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