Indonesien Fischer retten Hunderte Flüchtlinge nach Monaten auf See

Tausende Flüchtlinge treiben in Südostasien auf dem Meer. 370 Menschen wurden nun von indonesischen Fischern gerettet - gegen die Anweisungen ihrer Regierung.
Bootsflüchtlinge vor Aceh: "Sie sind dehydriert, sehr geschwächt und kurz vor dem Verhungern"

Bootsflüchtlinge vor Aceh: "Sie sind dehydriert, sehr geschwächt und kurz vor dem Verhungern"

Foto: AP/dpa

Gerade erst hatte Indonesiens Regierung ihren Fischern streng verboten, Bootsflüchtlingen auf See zu helfen. Doch die Angesprochenen ignorieren die Anordnung: Am Mittwoch haben Fischer mehr als 370 Menschen von mehreren Booten gerettet.

Es handele sich überwiegend um muslimische Rohingya aus Burma, sagte Khairul Nova, der Chef des Rettungsdienstes in der Provinz Aceh im Norden Sumatras. Unter den Geretteten seien zahlreiche Frauen und Kinder. "Sie sind dehydriert, sehr geschwächt und kurz vor dem Verhungern", sagte Nova weiter.

Ubaydul Haque, einer der Geretteten, sagte, der Motor des Schiffes sei kaputt gegangen. Der Kapitän sei daraufhin geflüchtet. "Das Essen wurde knapp. Deshalb wollten wir Malaysia ansteuern, wurden aber zurückgewiesen", sagte Haque. Die Flüchtlinge hätten insgesamt vier Monate auf hoher See getrieben, bevor die Fischer sie retteten und an Land brachten.

In den vergangenen Wochen sind Tausende Menschen über das Meer nach Malaysia, Thailand und Indonesien gelangt. Doch alle drei Länder haben ebenso Tausende abgewiesen. Sie treiben weiterhin vor den Küsten. Mehrere Schiffe sind führerlos, nachdem sich die Kapitäne abgesetzt haben.

Burma will die Rohingya verbannen

Am Mittwoch berieten die Außenminister Malaysias, Indonesiens und Thailands in Kuala Lumpur über die Flüchtlingskrise. "Wir brauchen gemeinsame und aufeinander abgestimmte Anstrengungen unter den Herkunfts-, Transit- und Zielländern", sagte Gastgeber Anifah Aman.

Die Regierung Burmas nahm an dem Treffen nicht teil. Die dortigen Behörden verfolgen die muslimischen Rohingya, verweigern ihnen die Staatsbürgerschaft und wollen sie aus dem Land verbannen.

Thailand will nächste Woche ein Gipfeltreffen zu dem Thema abhalten, aber Burmas Präsidentenamt ließ ausrichten, die Regierung nehme nicht teil, wenn auch nur der Name Rohingya erwähnt werde. Die Regierung bezeichnet die Menschen als Bengalen, die illegal aus dem Nachbarland Bangladesch kamen.

Auch Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi schweigt zu der Krise. 1991 war sie für ihren gewaltlosen Protest gegen das Militärregime in Burma ausgezeichnet worden. Zu der Unterdrückung der nun verfolgten muslimische Minderheit der Rohingya äußerte sie sich bisher nicht: Sie sei auf Reisen und daher für einen Kommentar nicht verfügbar, lässt ihre Partei NLD ausrichten. Noch in diesem Jahr soll in Burma gewählt werden. "Suu Kyi kann es sich in einem Wahljahr kaum leisten, sich für sie einzusetzen", sagt Politologe Thitinan Pongsudhirak in Bangkok.

Viele Rohingya leben seit vielen Generationen in der Küstenregion Burmas am Golf von Bengalen. Die britischen Kolonialherren brachten sie ins Land. Nach Bangladesch flüchteten auch schon Zehntausende Rohingya. Die dortige Regierung sieht sich aber auch nicht zuständig für sie.

Am Mittwoch stellte Burma erstmals allgemein Unterstützung in Aussicht: "Burma steht bereit, allen, die auf dem Meer leiden, humanitäre Hilfe zu gewähren", teilte das Außenministerium mit. "Burma ist sehr besorgt über das Leiden Unschuldiger", heißt es in der Erklärung weiter. "Vor diesem Hintergrund unternimmt Burma ernsthafte Anstrengungen, Menschenschmuggel und illegale Migration zu verhindern."

Die Ursache der Krise - die Unterdrückung und Verfolgung der Rohingya in Burma - erwähnte das Ministerium mit keinem Wort.

syd/dpa/AP/AFP
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