Brände in Indonesien Die vermeidbare Katastrophe

Teile des indonesischen Urwalds brennen. Das Desaster zerstört Existenzen, bedroht Nachbarstaaten und verschärft den Klimawandel. Die Regierung in Jakarta zieht die Verantwortlichen trotzdem nicht zur Rechenschaft.
Brände im indonesischen Urwald

Brände im indonesischen Urwald

Foto: dpa

Der indonesische Urwald beherbergt seltene Arten wie Orang-Utans und Hornvögel; er speichert Unmengen Kohlenstoff und ist Heimat für Zehntausende Menschen. Und er brennt.

Meterhoch schlagen die Flammen, vernichten uralte Bäume, bedrohen Dörfer. Über 300.000 Hektar sind betroffen, die entstehenden Rauchwolken sind noch aus dem Weltall sichtbar, und führen im Land zu einem enormen Gesundheitsrisiko. Mancherorts färben sie alles in ein unheimliches Rot.

Der Rauch ist so dicht und giftig, dass die Regierung zahlreiche Schulen hat schließen lassen, Zehntausende Menschen kämpfen laut mit Atembeschwerden.

Es ist eine landesweite Krise, vergleichbar mit jener im Amazonas, die Indonesien auch international in Bedrängnis bringt: Weil der Rauch auch Städte im benachbarten Malaysia einhüllt, Menschen und Umwelt schadet, hat die Regierung in Kuala Lumpur, eine diplomatische Protestnote geschickt.

Zudem setzen die Brände große Mengen CO2 frei. Dadurch wird der Klimawandel beschleunigt. Die steigenden globalen Temperaturen führen wiederum dazu, dass die Brände heftiger wüten und noch mehr Menschen und Tiere bedrohen.

Die Krise ist in Teilen selbstverschuldet. Die meisten der Brände werden gelegt. Große und kleinere Unternehmen vernichten die Wälder, um auf den gerodeten Flächen Palmöl oder Zellstoff für die Papierherstellung zu produzieren.

In vielen Fällen ist das illegal. Indonesiens Präsident Joko Widodo erklärte schon im Oktober 2015: "Wir müssen das Gesetz ohne Angst und ohne Gefälligkeiten durchsetzen."

Gegen die Brandstifter wurden keine Sanktionen verhängt

Passiert ist wenig. "Man kann sehen, dass es auch in diesem Jahr wieder massiv in den Plantagengebieten brennt", sagt Gesche Jürgens, Sprecherin der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die mithilfe von Satellitenbildern die Orte der Brände mit den geografischen Daten der großen Plantagen abgeglichen hat.

Und mehr noch: Mithilfe des Informationsfreiheitsgesetzes hat die Organisation recherchiert, wie der Staat mit verurteilten Brandstiftern umgeht. "Wir haben herausgefunden, dass gegen keines der zehn Plantagengebiete, in denen zwischen 2015 und 2018 die größten Brände wüteten, ernsthafte Sanktionen verhängt wurden", sagt Jürgens.

Und selbst da, wo Sanktionen angeordnet worden seien, seien diese nicht vollstreckt worden. Die Gefälligkeiten, von denen Präsident Widodo spricht, durchdringen das System und scheinen die Täter zu schützen.

Verschärft wird das Problem durch die Nachfrage nach Palmöl aus Europa. Deutschland importiert rund eine Million Tonnen jährlich. Rund zehn Prozent des Verbrauchs im Verkehrssektor sollen bis 2020 aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Das Palmöl landet also im Tank, die Zerstörung der Urwälder wird forciert.

Derzeit laufen auf europäischer Ebene Verhandlungen über ein Gesetz, das den Import von Palmöl aus Rodungsgebieten unterbinden soll. Gesche Jürgens sieht darin einen wichtigen Schritt. Besorgten Konsumenten rät sie, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu kaufen, da diese oft Palmöl beinhalten.

Die Zeit drängt. Bedeckten Wälder 1990 noch zwei Drittel von Indonesien, ist es heute nur noch die Hälfte.

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