Nach Ausstieg aus INF-Vertrag Washington testet Marschflugkörper

Vor zwei Wochen sind die USA aus dem gemeinsamen Abrüstungsvertrag mit Russland ausgetreten. Nun haben sie einen Marschflugkörper abgefeuert. Experten befürchten ein Wettrüsten.

Eins der wichtigsten Abrüstungsabkommen ist nun offiziell Geschichte: Die USA testen einen Marschflugkörper
AFP/Scott HOWE

Eins der wichtigsten Abrüstungsabkommen ist nun offiziell Geschichte: Die USA testen einen Marschflugkörper


Die USA haben rund zwei Wochen nach ihrem Ausstieg aus dem INF-Abrüstungsvertrag mit Russland einen Marschflugkörper getestet. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, wurde die landgestützte, konventionelle Waffe am Vortag von der kalifornischen San-Nicolas-Insel abgefeuert.

Allerdings können ursprünglich für konventionelle Sprengköpfe vorgesehene Träger später so eingerichtet werden, dass sie atomare Sprengköpfe befördern können. Nach Angaben des Pentagon verlief der Test erfolgreich. Der Marschflugkörper habe nach mehr als 500 Kilometern Flug sein Ziel "exakt" getroffen. Die Daten und Erfahrungen aus dem Test sollten nun für die Entwicklung künftiger "Mittelstreckenkapazitäten" verwendet werden, hieß es.

Die USA hatten Anfang Februar mit Rückendeckung der Nato-Partner das Abkommen zum 2. August hin gekündigt, weil Russland sich aus US-Sicht nicht daran hält. In einer Erklärung der Alliierten heißt es, die alleinige Verantwortung für das Ende des INF-Vertrags (Intermediate Range Nuclear Forces, zu Deutsch: Nukleare Mittelstreckensysteme) trage Russland. Das Pentagon hatte nach dem Ausstieg aus dem INF-Vertrag die Entwicklung neuer Trägersysteme angekündigt.

Moskau wies die Vorwürfe zurück und setzte den Vertrag ebenfalls aus. Beide Seiten warfen sich gegenseitig die Eskalation vor.

Der INF-Vertrag war eines der wichtigsten Abrüstungsabkommen der Geschichte. Die Vereinbarung war 1987 im Kalten Krieg von US-Präsident Ronald Reagan und dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow unterzeichnet worden und sah vor, dass beide Seiten auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen verzichten. Das Abkommen untersagte beiden Seiten Produktion, Tests und Besitz von bodengesteuerten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Besonders für Europa stellte der Vertrag eine wichtige Sicherheitsgarantie dar. Nach dem Ende der Vereinbarung wird ein neues Wettrüsten zwischen den USA und Russland befürchtet.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels war zunächst von einem Test einer Mittelstreckenrakete die Rede. Es handelt sich nach Angaben des US-Militärs um einen Marschflugkörper.

mfh/AFP/dpa



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