Ingrid Betancourt Kolumbianisches Militär zeigt dramatisches Video der Geiselbefreiung

Bewegende Szenen der Befreiung von Ingrid Betancourt und weiterer 14 Geiseln - festgehalten auf Video: Das kolumbianische Verteidigungsministerium hat einen knapp vierminütigen Film veröffentlicht. Er soll Spekulationen entschärfen, die Aktion sei inszeniert gewesen.


Bogota - Die spektakuläre Befreiung der früheren kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt aus der Gewalt von FARC-Rebellen ist auf einem fast vierminütigen Video festgehalten worden: Kolumbiens oberster Militär, General Mario Montoya, zeigte die dramatischen Aufnahmen von der Aktion "Jaque" (Schach).

Das Video stamme von einem Kamerateam, das aus Mitgliedern der kolumbianischen Sicherheitsdienste zusammengesetzt gewesen sei, die sich als Journalisten ausgegeben hätten, sagte Montoya. "Wir haben die Zeit des Wartens genutzt, um das Vertrauen der Rebellen" zu gewinnen, sagte der General.

Soldaten hatten sich als Mitglieder einer regierungsunabhängigen Organisation sowie als Rebellen ausgegeben und Betancourt und 14 weitere FARC-Geiseln, darunter auch drei Amerikaner, in einem Hubschrauber zu einem vermeintlichen Treffen mit einer internationalen Kommission geflogen. Tatsächlich wurden die beiden mitfliegenden Rebellen in der Luft überwältigt, und die Geiseln waren frei.

Die Aufnahmen zeigen, wie die vermeintlichen Journalisten versuchen, die beiden später festgenommenen FARC- Kommandanten zu interviewen. "Nur eine Frage, bitte", ist die Stimme eines der verkleideten Journalisten zu hören, aber der FARC-Kommandant sagt, das sei gegen die Regeln.

Eine der Geiseln beschimpft den falschen Guerilla

Ein unbewaffneter eingeschmuggelter kolumbianischer Militärangehöriger fesselt die Hände der Geiseln mit Plastikhandschellen, bevor sie in einen weißen Hubschrauber gedrängt werden. Eine der Geiseln, ein kolumbianischer Soldat, beschimpft den falschen Guerilla. Einige der Geiseln verlangen aufgeregt von den Journalisten, interviewt zu werden. Im Hintergrund stehen bewaffnete Rebellen.

Eine weitere Szene zeigt die Ungläubigkeit, Überraschung und dann das Lachen der Geiseln, als ihnen in dem bereits fliegenden Hubschrauber nach der Überwältigung der zwei mitreisenden Rebellen eröffnet wird, dass sie gerade befreit worden sind. Betancourt weint vor Erleichterung. Vor Freude umarmt sie einen Mitgefangenen. Eine der Geiseln schreit immer wieder: "Zehn Jahre Warten, zehn Jahre Warten".

Der Augenblick, in dem der lokale FARC-Kommandeur Cesar und ein weiterer Rebell, die die Geiseln begleiteten, überwältigt werden, ist nicht zu sehen. Das Video wurde auf die Hompage des kolumbianischen Verteidigungsministerium gestellt, die inzwischen völlig überlastet ist.

Mit der Veröffentlichung der Aufnahmen wollten die Streitkräfte einem Bericht des Schweizer Radiosenders RSR entgegentreten, die Freilassung sei gegen die Zahlung eines Lösegeldes erfolgt und die spektakuläre Befreiungsaktion mittels der Täuschung der Rebellen frei erfunden. Auch Betancourt war skeptisch. "Das, was ich miterlebt habe, kann keine Inszenierung gewesen sein", sagte sie.

Verteidigungsminister Manuel Santos wies den RSR-Bericht zurück, es sei ein Lösegeld von umgerechnet 12,6 Millionen Euro gezahlt worden. "Das wäre ja billig gewesen. Wir hatten den FARC schon 100 Millionen geboten, und sie haben das abgelehnt", sagte er.

Der Chef der RSR-Auslandsredaktion, Pierre Bavaud, sagte der Nachrichtenagentur AFP inzwischen, die von einer "verlässlichen Quelle" genannten 20 Millionen Dollar seien nicht als Lösegeld an die FARC geflossen. Vielmehr sei das Geld verwendet worden, um zwei Bewacher der Geiseln zu bestechen. Hinter der Aktion standen laut RSR-Bericht die USA.

US-Präsident George W. Bush sei schon vergangene Woche über den bevorstehenden Befreiungsversuch informiert worden, weil es auch um drei Amerikaner gegangen sei, sagte Santos weiter.

Die USA hätten auch Hilfe geleistet, indem sie in den weiß lackierten Armeehubschrauber ein Gerät für Notsignale einbauten. Es hätten sich auch nicht näher bezeichnete US-Flugzeuge in der Luft über dem Einsatzgebiet befunden, so wie das schon bei anderen Geheimaktionen der Fall war, fügte Santos hinzu.

Verteidigungsminister Santos widersprach auch Berichten internationaler Medien, dass Israel in die Befreiungsaktion verwickelt gewesen sei. Es sei kein Ausländer beteiligt gewesen. Die US-Regierung sei zehn Tage zuvor informiert worden.

Die Täuschung der Rebellen dürfte jedoch künftige Aktionen extrem erschweren, weil dabei bisher fast immer unabhängige Organisationen und auch Journalisten als Sicherheitsgarantie für die Rebellen teilgenommen haben. Für die unabhängigen Organisationen und für Journalisten dürfte es künftig noch gefährlicher werden, in Kolumbien zu arbeiten.

Betancourt war am vergangenen Freitag nach Paris geflogen. "Ich verdanke Euch alles, ich verdanke Euch mein Leben", sagte Betancourt im Elysée-Palast in Paris, wo sie vom französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, seiner Frau Carla und zahlreichen Unterstützern begeistert empfangen wurde. Frankreich habe vor allem dazu beigetragen, dass das kolumbianische Militär auf eine gewaltsame Befreiung verzichtet habe.

Betancourt war Präsidentschaftskandidatin in Kolumbien, als sie vor mehr als sechs Jahren von der FARC in den Dschungel verschleppt wurde.

jjc/AFP/dpa/AP



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