Internationale Atombehörde Wahl von ElBaradei-Nachfolger gescheitert

Der Favorit ist ohne Mehrheit, doch auch sein Konkurrent erreichte nicht die nötigen Stimmen: Nach dem missglückten zweiten Wahlgang steht die Internationale Atombehörde ohne einen Nachfolger für Direktor ElBaradei da. Jetzt könnten sogar völlig neue Kandidaten ins Spiel kommen.


Wien - Bereits am Donnerstag zeichnete sich beim ersten Wahlgang ab, dass die Wahl eines Nachfolgers für den scheidenden Direktor Mohamed ElBaradei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA schwierig werden würde. Auch im zweiten Anlauf am Freitag erreichte keiner der Kandidaten die nötige Mehrheit.

Japanischer Kandidat Amano: Gescheiterter Favorit
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Japanischer Kandidat Amano: Gescheiterter Favorit

Der als Favorit gehandelte japanische Diplomat Yukiya Amano (61) brachte bei der entscheidenden Abstimmung durch den IAEA-Gouverneursrat wieder nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 24 der 35 Mitgliedsländer hinter sich. Sein südafrikanischer Gegenkandidat Abdul Samad Minty scheiterte bei einer abschließenden Einzelabstimmung ebenfalls deutlich. Damit wird ein weiterer Wahlgang für die Nachfolge ElBaradeis nötig, für den neue Kandidaten nominiert werden können.

Die Wahl war nötig geworden, weil ElBaradei (66) auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit verzichtet hat. Er verlässt den Posten im November. Insgesamt war der ägyptische Friedensnobelpreisträger dann zwölf Jahre in dem zurzeit vermutlich zweitwichtigsten Amt der Vereinten Nationen tätig.

Amano, ein ausgewiesener, aber als uncharismatisch geltender Abrüstungsexperte, war als klarer Favorit in den ersten Wahlgang am Donnerstag gegangen. Er erhielt jedoch in allen drei Wahlgängen nicht mehr als 21 der 35 Stimmen. Bei der entscheidenden Wahl am Freitag kam der Japaner, der von den meisten Europäern und den USA bevorzugt wurde, dann bis auf eine Stimme an die erforderliche Mehrheit heran. Der Südafrikaner Minty, der sich im wesentlichen auf die Unterstützung der Gruppe der sogenannten Blockfreien Länder stützte, konnte keine weiteren Mitgliedsländer des Rates hinter sich bringen.

Der amtierende Ratsvorsitzende Taous Ferukhi muss nun in der kommenden Woche einen neuen Wahlgang ausschreiben, für den neue Kandidaten nominiert werden können. Auch die am Freitag unterlegenen Kandidaten Amano und Minty dürfen noch einmal antreten. Der nächste Wahlgang dürfte im Juni in Wien im Gouverneursrat stattfinden. Nach dem Scheitern Amanos und Mintys könnte der Weg für prominentere Kandidaten für das wichtige Amt frei sein. In Wien kursierte am Freitag unter anderem der Name des mexikanischen Ex-Präsidenten Ernesto Zedillo.

beb/dpa



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