Internationale Presse "Höchste Zeit, dass Bush eine aktive Rolle übernimmt"


Unter dem Titel "Die Strategie Scharons" meint die römische Zeitung "La Repubblica" zu den israelischen Angriffen auf den Libanon:

"Die Krieg in Nahost weitet sich aus. Israel hat syrische Stellungen im Libanon angegriffen, Syrien ist einen Schritt davon entfernt, in den Konflikt verwickelt zu werden. Sie haben sich also getäuscht, schwer getäuscht, diejenigen nämlich, die in der Wahl Scharons zum Ministerpräsidenten die letzte Möglichkeit gesehen haben, um mit den Palästinensern zu einem Kompromiss zu kommen. Die Möglichkeit nämlich, dass der alte Falke, der Mann der Rechten, sich mehr Flexibilität und größere Konzessionen erlauben könnte als Ehud Barak oder ein anderer Führer der Linken.

Als es zum Beweis in der Realität kam, hat sich Ariel Scharon stattdessen als die schlechteste Wahl erwiesen, die die israelischen Wähler treffen konnten. Ein Bulldozer, ein Aufschneider, ein Mann des Krieges, der er immer schon war."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Durch die terroristischen Angriffe und die schnellen Verschlechterungen in der Palästinenserfrage war der israelische Ministerpräsident Scharon bislang darauf beschränkt, den Beweis seiner Versprechungen zu geben: Er beantwortete jeden Schlag mit einem Gegenschlag und hatte so den Spielraum zu Verhandlungen eingeschränkt, wie es seiner persönlichen politischen Geschichte gebührt, zugleich nicht weniger wie es das Mandat wollte, das er jüngst von den Wählern erhalten hatte.

Aber mit dem Befehl zur Bombardierung einer syrischen Stellung im Libanon genau zu dem Zeitpunkt, als eine jordanische Friedensmission in Jerusalem eintraf, hat Ariel Scharon die Grenze des Vorhersehbaren überschritten und hat einen Fehler begangen, der sich als folgenschwer erweisen könnte."

"De Volkskrant" (Den Haag):

"Die jüngsten europäischen Träume über eine eigene Rolle auf der Weltbühne sind nicht mehr als eine Form von leerem Illusionismus. Vor allem, wenn es um einen gefährlichen Brandherd wie den Nahen Osten geht, bleiben alle Augen auf die USA gerichtet. Das Problem liegt aber darin, dass sich Präsident Bush nicht berufen fühlt, sich aktiv mit dem palästinensisch-israelischen Konflikt einzulassen. Diese Passivität macht die Sackgasse, in der alle Verhandlungen gelandet sind, komplett und gefährlich. ... Es ist höchste Zeit, dass die Regierung Bush eine aktive Rolle übernimmt."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.