Internationale Pressestimmen "Niemand kann die Auseinandersetzungen beenden"


Die "Basler Zeitung" (Schweiz) schriebt zum arabischen Gipfel in Kairo:

"Durch die Kugeln der Israelis fühlt sich jedermann zwischen Algier und Bagdad getroffen. Die arabischen Herrscher können die politische Meinung von Millionen nicht mehr beiseite schieben. Deshalb wurde die Verurteilung Israels, die alle Redner der Eröffnungssitzung parat hatten, erstmals via Satellitenfernsehen übertragen - eine Antwort der Herrschenden an ihre Völker. Auch die Verantwortlichen in Israel sollten diese neue politische Kraft Arabiens nicht unterschätzen. (...)

Niemand, so scheint es zumindest, will oder kann die Auseinandersetzungen beenden: der machtlose Clinton nicht, der ums politische Überleben kämpfende Barak nicht, die zerstrittenen arabischen Staatsführer nicht und der politische Taktierer Arafat schon gar nicht. Da die Kriegführenden in die politische Sackgasse geraten sind, besteht die Gefahr, dass sie sich auf ihre innenpolitische Agenda zurückziehen: Barak auf die Bildung eines Notstandskabinetts, Arafat auf seine 'heilige Intifada'."

"La Stampa" (Turin):

"Der Verlierer heißt Arafat. Sicher, Arafat hat nicht damit gerechnet, dass die arabischen 'Brüder' mit dem Krieg gegen Israel drohen. Der alte Kämpfer ist schließlich nicht dumm, und er weiß, dass kein arabisches Land, wenn es denn überhaupt wollte, in der Lage wäre, die stärkste (Atom-)Macht in der Levante herauszufordern.

Dennoch hat Arafat bis zuletzt darauf gehofft, dass das Unglück der Unruhen wenn nicht zu einem Bruch der diplomatischen Beziehungen der Araber zu Israel führt, so doch zumindest zu einer Abkühlung dieser Beziehungen, um Israel auf diese Weise zu isolieren."

"El Pais" (Madrid):

"Der Gipfel der Arabischen Liga endete mit einer Erklärung, die niemanden zufrieden stellt. Es ist Besorgnis erregend, dass Israel die Deklaration als radikal darzustellen versucht, obwohl diese im Grunde kaum etwas aussagt. Der Palästinenserführer Jassir Arafat verlor die Kontrolle über die Leute, die er in den Verhandlungen vertreten soll.

Israels Ministerpräsident Ehud Barak ist längst nicht die 'Taube', als die er sich präsentiert hatte. Arafat folgte ihm beim Einschlagen eines harten Kurses. Beide machten Fehler, aber keiner konnte einen Vorteil verbuchen. Israel befindet sich in einer kriegerischen Dynamik, aus der es nicht unbeschädigt herausfinden wird. Auf beiden Seiten sehen immer mehr Leute einen Krieg als einzigen Ausweg aus der Sackgasse."



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