Prozess in Den Haag Islamist gesteht Zerstörung von Weltkulturerbestätten in Mali

Im 15. Jahr seines Bestehens erlebt der Internationale Strafgerichtshof eine Premiere: Erstmals hat sich ein Angeklagter schuldig bekannt. Er räumte ein, mehrere Unesco-Weltkulturerbestätten in Timbuktu zerstört zu haben.

Ahmad Al Faqi Al Mahdi
AP

Ahmad Al Faqi Al Mahdi


Ahmad Al Faqi Al Mahdi aus Mali hat zum Auftakt seines Prozesses gestanden, neun Mausoleen und einen Teil der Sidi-Yahia-Moschee in Timbuktu zerstört zu haben. "Bedauerlicherweise muss ich sagen, dass das, was ich soweit gehört habe, zutreffend ist und die Vorfälle richtig wiedergibt. Ich bekenne mich schuldig", sagte Mahdi nach Verlesung der Anklage.

Er bat das malische Volk um Entschuldigung für die Zerstörung der Bauwerke, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörten. "Ich bitte um ihre Vergebung und bitte sie, mich als Sohn zu sehen, der vom rechten Weg abgekommen ist", sagte Mahdi. Er bedauere den "Schaden, den mein Handeln verursacht hat".

Mahdi war Sittenwächter der Islamistengruppe Ansar Dine. Nachdem die Miliz Timbuktu eingenommen hatte, ordnete er im Juni und Juli 2012 die Zerstörung der Weltkulturerbestätten an. Nach ihrer fundamentalistischen Auslegung des Islams, sind die Mausoleen unislamisch, weil dort Menschen als Heilige verehrt werden und dadurch die Einzigartigkeit Gottes angetastet wird.

Fotostrecke

11  Bilder
Oasenstadt Timbuktu: Wie die Malier ihre Heiligtümer wiederaufbauten

Die in den Mausoleen begrabenen Geistlichen werden als Schutzheilige verehrt und bei Ereignissen wie Hochzeiten oder bei Problemen wie Hungersnöten um Hilfe gebeten. Wegen ihrer zahlreichen Mausoleen gilt Timbuktu als "Stadt der 333 Heiligen". Die Handelsstadt war über Jahrhunderte ein Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit und beherbergt auch eine einzigartige Sammlung islamischer Manuskripte.

Ein Teil dieser alten Schriften wurde ebenfalls von den Islamisten zerstört, doch konnte der Großteil in Sicherheit gebracht werden. Mit deutscher Hilfe wird die Sammlung seit der Einnahme der Stadt durch französische und malische Truppen Anfang 2013 restauriert. Auch die zerstörten Mausoleen, die zumeist aus Holz und Lehmziegel errichtet waren, wurden mit internationaler Unterstützung wieder aufgebaut.

Mahdi war nach der Vertreibung seiner Miliz aus Timbuktu nach Niger geflüchtet. Dort wurde er 2014 von französischen Truppen festgenommen.

Der Prozess in Den Haag soll nur eine Woche lang dauern. Mahdi drohen bis zu 30 Jahren Haft, allerdings haben die Ankläger bereits angekündigt, lediglich eine Gefängnisstrafe zwischen neun und elf Jahren zu fordern. Der Angeklagte sagte vor Gericht, er hoffe im Gefängnis die bösen Geister loszuwerden, die ihn überwältigt hätten.

syd/AFP/AP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.