Libyen Vier Mitarbeiter des Weltstrafgerichtshofs festgenommen

Der Internationale Strafgerichtshof bangt um vier seiner Mitarbeiter: Seit Donnerstag werden die Angestellten in Libyen festgehalten. Sie waren für ein Treffen mit Saif al-Islam al-Gaddafi eingereist - das Gericht will den Sohn des ehemaligen Machthabers wegen Kriegsverbrechen in Den Haag anklagen.
Saif al-Islam al-Gaddafi nach seiner Festnahme im November 2011: Prozess in Den Haag?

Saif al-Islam al-Gaddafi nach seiner Festnahme im November 2011: Prozess in Den Haag?

Foto: ISMAIL ZITOUNI/ REUTERS

Den Haag/Kairo - Seit Donnerstag werden sie festgehalten, es besteht offenbar kein Kontakt zur Außenwelt: In Libyen sind vier Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) festgenommen worden. Das bestätigte das Den Haager Gericht am Samstagabend.

Die vier waren am vergangenen Mittwoch für ein Treffen mit Saif al-Islam al-Gaddafi, dem inhaftierten Sohn des gestürzten und getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, in das nordafrikanische Land eingereist. Gründe für die Festnahme wurden zunächst nicht genannt.

Die unabhängige libysche Nachrichtenagentur Solidarity Press hatte zuvor unter Berufung auf einen mit dem Fall betrauten libyschen Rechtsanwalt gemeldet, dass die australische Pflichtverteidigerin Saif al-Islams im Anschluss an das Treffen mit Gaddafi im westlibyschen Sintan festgenommen worden sei, weil sie verdächtige Dokumente bei sich gehabt habe.

IStGH-Chef: "Wir sind sehr besorgt"

Libyen und der Internationale Strafgerichtshof streiten seit Monaten über die Frage, wo Saif al-Islam vor Gericht gestellt werden soll. Der IStGH hatte gegen den 39-Jährigen einen internationalen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des blutigen Bürgerkriegs vor dem Sturz seines Vaters erlassen. Anfang April hatte der IStGH die sofortige Überstellung nach Den Haag verlangt. Die libysche Übergangsregierung will Gaddafi jedoch im eigenen Land den Prozess machen.

Saif al-Islam wurde im November vergangenen Jahres im Süden Libyens nahe der Grenze zum Niger gefasst. Seitdem wird es in der libyschen Stadt Sintan festgehalten. Sein Vater war einen Monat zuvor bei der Einnahme seiner Heimatstadt Sirte von Rebellen getötet worden.

IStGH-Präsident Sang Hyun Song forderte am Samstag "die sofortige Freilassung aller gefangenen Mitarbeiter" seiner Institution. "Wir sind sehr besorgt um die Sicherheit unserer Mitarbeiter, zu denen es überhaupt keinen Kontakt gibt", sagte er. Sang Hyun Song erinnerte daran, dass sie in offiziellem Auftrag des Gerichts unterwegs seien und Immunität genössen.

lgr/AFP/dpa
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