Interner Bericht US-Inspektoren ließen sich von Big Oil schmieren

Gefälligkeiten, Einladungen, Abhängigkeiten: Ein Bericht des US-Innenministeriums enthüllt, wie eng staatliche Inspektoren mit der Ölindustrie verbandelt waren. Sie sollten die Firmen kontrollieren - und ließen sich mit Geschenken überhäufen. Sogar von Drogenmissbrauch ist die Rede.
Bohrinsel im Golf von Mexiko: "Lauschiges Verhältnis zwischen Bossen und Beamten"

Bohrinsel im Golf von Mexiko: "Lauschiges Verhältnis zwischen Bossen und Beamten"

Foto: AP/ BHP Billiton

Washington - An Annehmlichkeiten mangelte es den staatlichen Inspektoren nicht. Sie erhielten Tickets für Football-Spiele, wurden zum Essen und zu Jagdausflügen eingeladen - ausgerechnet von der US-Ölindustrie, die sie überwachen sollten. Die Aufgabe der Kontrolleure: Sicherheits- und Umweltstandards auf Bohrinseln zu überprüfen. Auf Unabhängigkeit legten sie dabei offenbar wenig Wert.

Ein interner Untersuchungsbericht des Innenministeriums in Washington zeigt nun schonungslos die Versäumnisse der staatlichen Kontrollen auf. "Durch zahlreiche Gespräche haben wir herausgefunden, dass es Usus war, Geschenke von Öl- und Gasfirmen anzunehmen", heißt es in dem Report, der sich auf den Zeitraum von 2005 bis 2007 bezieht und amerikanischen Zeitungen und TV-Sendern zugespielt wurde. Die Ermittlungen wurden durch einen anonymen Brief angestoßen.

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Ein direkter Zusammenhang mit der kann zwar nicht bewiesen werden, doch mit der Veröffentlichung dürfte die Wut der Amerikaner auf die Ölunternehmen - und auf die Behörden - steigen.

Kritiker bemängeln seit langem zu laxe Kontrollen bei der Ölindustrie und die Nähe zwischen Beamten und Bossen. Washington sei der Branche immer schon entweder hörig oder ausgeliefert gewesen - sei es durch Wahlspenden oder durch die engen Beziehungen vor allem in der Bush-Ära.

Die Ermittler listen zahlreiche Verfehlungen auf, besonders der Außenstelle der Kontrollbehörde Minerals Management Service (MMS) in Lake Charles, Louisiana:

  • Mitte 2008 kontrollierte ein Inspektor vier Bohrplattformen - zur gleichen Zeit bewarb er sich für einen Job bei der Firma.
  • Ihre Formulare zur Qualitätsprüfung übergaben einige Inspektoren gleich den Ölfirmen - diese füllten die Bögen mit Bleistift aus, und die Kontrolleure schrieben dies mit Kugelschreiber nach, bevor sie die Papiere einreichten.
  • Inspektoren wurden wiederholt zu Jagd- und Angelausflügen eingeladen.
  • Zwei Inspektoren reisten 2005 mit ihren Familien zu einem College-Football-Spiel nach Atlanta, Georgia.
  • Einige Inspektoren hatten zuvor in der Öl- oder Gasindustrie gearbeitet, bevor sie für die Behörden tätig wurden - und waren mit Unternehmensvertretern befreundet.
  • Mindestens zwei Angestellte gaben zu, während ihrer Beschäftigung illegale Drogen genommen zu haben. Ein Inspektor gestand, "Crystal Meth" verwendet zu haben - er stand offenbar auch während der Kontrollen unter Drogeneinfluss.

Das Annehmen von Geschenken war weit verbreitet: "Jeder tat es", wird einer der Kontrolleure zitiert. Mindestens sieben Inspektoren, die durch solches Verhalten aufgefallen sind, waren noch im März beim Minerals Management Service beschäftigt.

US-Innenminister Ken Salazar nannte den Bericht "zutiefst verstörend". Einmal mehr würde das "lauschige Verhältnis zwischen Teilen der MMS und der Öl- und Gasindustrie" deutlich. Einem Bericht der "New York Times" zufolge sagte Salazar, er habe die Ermittler angewiesen, ihre Untersuchungen auszuweiten, um zu prüfen, ob weitere Verstöße festzustellen seien - auch nachdem er 2009 einen neuen Ethik-Kodex eingeführt habe.

Der Bericht sollte in diesem Sommer veröffentlicht werden, doch nach der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" und dem folgenden Umweltdesaster entschloss sich die interne Ermittlungsgruppe, das Papier bereits jetzt freizugeben. Kongressabgeordnete zeigten sich schockiert und forderten eine gründliche Überprüfung des Kontrollsystems.

kgp