Internet Wie die Welt von Bin Ladens Tod erfuhr

Die Nachricht vom Tod Osama Bin Ladens überraschte die Amerikaner in der Nacht, erreichte Europäer in den frühen Morgenstunden. Gerüchte über den Tod des Terrorchefs machten zuerst im Internet die Runde - und lösten eine Flut an Reaktionen aus.

Ein Passant auf einem Bahnhof in Seoul, Südkorea: Nachricht von weltweiter Bedeutung
REUTERS

Ein Passant auf einem Bahnhof in Seoul, Südkorea: Nachricht von weltweiter Bedeutung


Hamburg - Zehn Jahre dauerte die Jagd auf den meistgesuchten Terroristen der Welt, Osama Bin Laden - die Nachricht von seinem Tod verbreitete sich jedoch in Blitzgeschwindigkeit in aller Welt.

Um 5 Uhr morgens deutscher Zeit ist "Osama Bin Laden" bereits "Trending Topic" auf Twitter - und das weltweit. Die großen US-Fernsehsender unterbrechen ihr Programm, die Agenturen schießen eine Serie von Eilmeldungen über erste Spekulationen raus.

Gegen 23.45 Uhr Ortszeit - um kurz vor 6 Uhr morgens deutscher Zeit - tritt der Präsident schließlich vor die Presse. Schon zuvor war die Nachricht vom Tod des Qaida-Führers von mehreren US-Medien bestätigt worden.

Schon die Ankündigung der Pressekonferenz hatte bereits Spekulationen ausgelöst, CNN-Moderator Anderson Cooper streut die Nachricht etwa zeitgleich über sein Twitter-Konto. "Keine Ahnung, was er uns sagen will, aber es scheint wichtig zu sein."

Derber Humor und Geschäftssinn

Die Nachricht vom Tod Bin Ladens tritt eine rasante Welle an Reaktionen los. Noch während Obama im Fernsehen seine Ansprache hält, strömen Tausende zu Ground Zero und zum Times Square in New York. Rund um das Weiße Haus feierte die Menge lautstark den Präsidenten.

Sofort wird das Ereignis von politischen Beobachtern analysiert, "Time"-Blogger Mark Halperin etwa schreibt von einem "Triumph für Obama, ganz egal, was in den kommenden 18 Monaten passiert". Die erfolgreiche Jagd auf Bin Laden werde ganz klar "Auswirkungen auf die Wahl 2012 haben. Das ist ein großer Tag für Amerika - aber machen wir uns nichts vor: Es ist auch ein großer Tag für Obamas Wiederwahl-Bemühungen."

In der Diskussionsarena der Seite Politico warnt James J. Zogby, Vorsitzender des arabisch-amerikanischen Instituts, vor zu viel Euphorie: "Sein Tod wird die Bedrohung durch al-Qaida nicht beenden, die Terror-Bewegung ist unübersichtlicher und gefährlicher denn je."

Ein Ereignis wie dieses kommt freilich nicht ohne Witze- und Geschäftemacherei aus: "Als Obama sagte, er hätte bessere Dinge zu tun, als sich um seine Geburtsurkunde zu kümmern, meinte er es wirklich!", twittert eine Amerikanerin in Anspielung auf den Publicity-Krieg zwischen Präsident Obama und Donald Trump.

Ein "New York Times"-Leser amüsiert sich über die vielen amerikanischen Flaggen, die anscheinend aus den Taxen der US-Metropolen geschwenkt werden: "Haben die Leute einen Vorrat davon zu Hause?"

Auf der Verkaufsplattform Ebay gibt es - nicht mal eine Stunde nach Bekanntwerden - bereits das "Bin Laden ist tot"-Hemd in diversen Varianten. Das Konterfei vom Terrorchef ist mal mit einem Aufdruck des Datums seines Todestags versehen, mal mit einem derben "Game Over"-Schriftzug. Weitere Bin-Laden-Devotionalien folgen wenig später.

Ein Twitterer fasst die Nachricht des Jahres fast schon philosophisch zusammen: "Jetzt, da der Prinz seine Prinzessin aus dem Volk gefunden hat, und das Böse tot ist…was soll jetzt noch kommen?" Man spürt beinahe das Seufzen zwischen den Zeilen.

amz



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