Gefängnisausbrüche von Extremisten Interpol warnt vor Terrorangriffen weltweit

Die internationale Polizeiorganisation erkennt weltweit eine gestiegene Terrorgefahr. Anlass sind die Gefängnisausbrüche Hunderter mutmaßlicher Extremisten. Fluchthelfer könnte das Terrornetzwerk al-Qaida gewesen sein.
US-amerikanische Botschaft (hier in Moskau): Terrorfahnder sehen deutliche Verschlechterung der globalen Sicherheitslage

US-amerikanische Botschaft (hier in Moskau): Terrorfahnder sehen deutliche Verschlechterung der globalen Sicherheitslage

Foto: Sergei Ilnitsky/ dpa

Lyon - Angesichts mehrerer Massenausbrüche mutmaßlicher Extremisten aus Gefängnissen hat Interpol weltweit vor erhöhter Terrorgefahr gewarnt. Das Terrornetzwerk al-Qaida werde verdächtigt, in die Flucht von "Hunderten Terroristen und anderen Kriminellen" unter anderem in Libyen, Pakistan und im Irak verwickelt zu sein, erklärte die internationale Polizeiorganisation am Samstag in Lyon. Interpol rief seine 190 Mitgliedsländer zur Zusammenarbeit auf, um "festzustellen, ob diese jüngsten Ereignisse koordiniert oder miteinander verbunden waren".

Nach Angaben von Interpol geht es um den Ausbruch aus Gefängnissen in insgesamt neun Ländern. Sollte ein "Terrorist auf der Flucht" in einem Land gesichtet werden, müssten die jeweiligen Herkunftsländer informiert werden, um mögliche weitere Terrorattacken zu verhindern, erklärte die Polizeiorganisation.

Am vergangenen Wochenende waren mehr als tausend Häftlinge aus einem Gefängnis im libyschen Bengasi geflohen. Im Nordwesten Pakistans griffen schwerbewaffnete Taliban zwei Tage später ein Gefängnis an und befreiten rund 300 Häftlinge. Al-Qaida hatte sich zu einigen der Massenbefreiungen der vergangenen Monate bekannt.

Interpol verwies in der Erklärung zudem darauf, dass im August zahlreiche Jahrestage "gewalttätiger Terrorangriffe" begangen würden, darunter Anschläge in Indien, Russland und Indonesien. Am 7. August 1998 waren außerdem die US-Botschaften in Kenia und Tansania angegriffen worden, mehr als 200 Menschen starben.

Zahlreiche Botschaften geschlossen

Im vergangenen Jahr hatten wegen eines islamfeindlichen Videos, das in den USA produziert worden war, radikale Islamisten die US-Botschaften in mehreren Staaten gestürmt. Bei einem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi wurden am 11. September 2012 US-Botschafter Christopher Stevens und drei Mitarbeiter getötet.

Die US-Regierung hatte am Freitag vor möglichen Terrorangriffen von al-Qaida und ihren Verbündeten "vor allem im Nahen Osten und in Nordafrika" im Monat August gewarnt. Aus Sicherheitsgründen sollten am Sonntag rund 20 US-Botschaften in der ganzen Welt geschlossen bleiben. Die Botschaften Deutschlands und Großbritanniens im Jemen bleiben am Sonntag und Montag ebenfalls geschlossen.

Auch das französische Außenministerium kündigte am Samstagnachmittag an, dass seine Botschaft in Sanaa am Sonntag und Montag nicht öffnen werde. Man habe Informationen darüber, dass die Drohungen sehr ernst zu nehmen seien, sagte der französische Staatschef François Hollande.

sun/AFP/dpa