Terrorattacke in Nairobi Interpol jagt die "Weiße Witwe"

Nach dem Terrorangriff in Kenia suchen Interpol-Experten vor Ort nach Spuren der Täter. Nun gaben sie für eine britische Terrorverdächtige einen Fahndungsbefehl heraus. Die Frau, in Großbritannien als "Weiße Witwe" bekannt, war mit einem Drahtzieher der Anschläge von London 2005 verheiratet.

Terrorverdächtige Lewthwaite (auf 2012 datiertes Bild): Fahndungsbefehl von Interpol
action press

Terrorverdächtige Lewthwaite (auf 2012 datiertes Bild): Fahndungsbefehl von Interpol


London/Nairobi - Interpol hat nach einer Bitte Kenias einen Fahndungsbefehl für die Terrorverdächtige Samantha Lewthwaite herausgegeben. Die Britin, die in ihrer Heimat als "Weiße Witwe" bezeichnet wird, wird demnach wegen Sprengstoffbesitzes und Verschwörung gesucht.

Der Fahndungsaufruf von Interpol ist eine sogenannte rote Notiz, die an alle 190 Mitgliedsländer geht. Die internationale Polizeiorganisation erklärte, diese Art der Fahndung unterstreiche die "unsichtbare Gefahr durch Terroristen und Kriminelle, die auf der ganzen Welt mit gefälschten Pässen herumreisen".

In der Notiz ist keine Rede vom Geiseldrama von Nairobi, bei dem die islamistische Terror-Miliz al-Schabab das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi überfallen hatte. Der Fahndungsaufruf bezieht sich auf einen Vorfall aus dem Jahr 2011. Doch die international gesuchte Lewthwaite soll mehreren Berichten der vergangenen Tage zufolge zu den Drahtziehern des Überfalls gehören.

Nach dem Geiseldrama unterstützen Fachleute von Interpol die kenianischen Ermittler. Ein unter anderem aus Erkennungsdienstexperten bestehendes Team werde am Tatort gesammelte DNA- und Fingerabdruckspuren mit Informationen in globalen Datenbanken abgleichen, teilte die Organisation am Donnerstag mit. Zudem solle es eine schnelle internationale Verbreitung aller Informationen über mutmaßliche Täter und Unterstützer gewährleisten, um mögliche Hintermänner zu identifizieren.

"Wir werden alle notwendige Unterstützung geben, um die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen", kommentierte Teamleiter Jean-Michel Louboutin. Er traf mit seinem Team bereits am Mittwoch in Nairobi ein. Auch das deutsche Bundeskriminalamt schickte sechs Forensiker in die kenianische Hauptstadt.

Täter aus dem Westen weiter unbekannt

Die genaue Identität der Täter ist noch unklar. Kenias Außenministerin Amina Mohamed hatte gesagt, zu den Angreifern zählten zwei oder drei junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren. Wiederholt hieß es auch, Lewthwaite sei eine der Drahtzieherinnen. Augenzeugen hatten nach dem Angriff berichtet, in der Gruppe der Terroristen habe sich auch eine "Mzungu" befunden. Das Wort gilt in vielen afrikanischen Sprachen als Sammelbegriff für Menschen mit heller Haut.

Die 29 Jahre alte Britin wurde bereits von afrikanischen und britischen Behörden gesucht und soll in mindestens einen weiteren Terroranschlag an der kenianischen Küste verwickelt sein.

Lewthwaite, von der britischen Boulevard-Presse zur "Weißen Witwe" hochgeschrieben, soll sich im März 2012 nach Somalia abgesetzt haben. Vor ihrer Flucht war sie mit Jermaine Lindsay verheiratet, einem der Drahtzieher hinter dem tödlichen Bombenanschlag in London im Jahr 2005. Dieser hatte damals 26 Menschen mit in den Tod gerissen.

Zunächst hieß es unter anderem im US-Sender CNN, sie können bei der Erstürmung des Gebäudes durch Sicherheitskräfte getötet worden sein. Diese Vermutung hat sich offenbar nicht bestätigt.

fab/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.