Interview mit arabischem TV Bush verspricht Irakern Strafen für folternde US-Soldaten

George W. Bush will die US-Soldaten zur Verantwortung ziehen, die in dem irakischen Gefängnis Abu Ghureib Iraker gefoltert haben. Eine förmliche Entschuldigung für die Misshandlungen überließ der US-Präsident jedoch seiner Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice.




"Auch Demokratien machen Fehler": Bush im Interview mit dem Sender al-Hurra
REUTERS/ Al-Hurra

"Auch Demokratien machen Fehler": Bush im Interview mit dem Sender al-Hurra

Washington - In einem Interview mit dem arabischen Sender al-Arabija und dem von den USA finanzierten arabischsprachigen Sender al-Hurra verurteilte Bush die von US-Soldaten verübten Misshandlungen als abscheulich. Ein solches Verhalten entspreche nicht amerikanischen Wertvorstellungen, sagte er heute in Washington.

Das irakische Volk müsse wissen, "dass das, was in diesem Gefängnis geschah, nicht das Amerika repräsentiert, das ich kenne", erklärte Bush. Er versicherte, die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Zudem würde geprüft, ob es in anderen Gefängnissen zu solchen Vorfällen gekommen sei. "Wir wollen die Wahrheit wissen", sagte Bush in dem Interview.

Der Präsident äußerte sich im arabischen Fernsehen einen Tag, nachdem das US-Heer bekannt gegeben hatte, es untersuche den Tod von zehn Gefangenen in US-Gewahrsam in Irak und Afghanistan. Zudem würden zehn weitere Misshandlungsvorwürfe geprüft. "Auch Demokratien machen Fehler ... aber sie werden untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt."

US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatte sich zuvor einem Bericht der "Washington Post" zufolge als erstes Mitglied der US-Regierung wegen der Misshandlung irakischer Gefangener entschuldigt. "Es tut uns sehr Leid, was mit diesen Menschen geschehen ist und was deren Familien fühlen müssen", sagte Rice in einem von der Zeitung zitierten Interview mit einem arabischen Fernsehsender.

Die überraschend angesetzten Interviews wurden in Washington als deutlicher Beleg für den dringenden Wunsch der US-Führung um Schadensbegrenzung gewertet. Auch der Sprecher der US-Streitkräfte im Irak, Brigadegeneral Mark Kimmitt, entschuldigte sich für die "beschämenden Vorfälle".



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