Interview mit Tarik Asis' Tochter "Mein Vater wird jeden Tag schwermütiger"
SPIEGEL ONLINE:
Sie haben vorvergangenen Freitag Ihren Vater besucht. Steht er im Kontakt zu Saddam Hussein oder den anderen Häftlingen, die derzeit vor Gericht stehen?
Zeinab Asis: Nein. Er bekommt auch vom Prozess selbst nichts mit, da er weder über Radio, Fernsehen noch über Zeitungen verfügt - nur religiöse Bücher sind zugelassen.
SPIEGEL ONLINE: Wo genau ist er untergebracht?
Asis: Das können wir nicht genau sagen. Man holte uns am Eingangs-Checkpoint zum Flughafen Bagdad ab und verband uns die Augen; ein paar Minuten später waren wir in seiner Zelle. Die ist durchaus geräumig, aber es enttäuschte uns, dass wir ihn nicht berühren konnten, weil eine Glas-Barriere zwischen uns stand.
SPIEGEL ONLINE: Wird Ihr Vater, wie zu lesen war, in einem späteren Verfahren gegen Saddam aussagen?
Asis: Wir durften uns nicht über politische Themen unterhalten, aber ich weiß, dass mein Vater über alles spricht und sprechen wird, worüber er informiert war.
SPIEGEL ONLINE: Wann wird er selbst vor Gericht stehen?
Asis: Das ist sein größtes Problem: Man hat ihn bislang weder angeklagt noch als Zeugen vorgeladen. Mein Vater sitzt seit über zwei Jahren ohne jede Perspektive in seiner Zelle und wird mit jedem Tag schwermütiger. Seit meinem letzten Besuch im August schien er mir wie um zehn Jahre gealtert. Er kann sich nur mühsam aufrecht halten, seine Moral ist auf dem Boden. Ich war schockiert, wie niedergeschlagen er ist.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben Ihren Vater zusammen mit Ihrer Mutter und Schwester besucht. Warum waren Ihre Brüder Ziad und Saddam nicht dabei?
Asis: Wir haben ihnen ausdrücklich davon abgeraten. Im Irak ist ihr Leben in Gefahr.
SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie dann den gefährlichen Landweg von Ihrem Exil in Amman nach Bagdad genommen?
Asis: Ein Flugticket nach Bagdad kostet 600 Dollar. Das können wir uns nicht leisten.
Das Interview führten Bernhard Zand und Volkhard Windfuhr