"Kony 2012"-Kampagne Schlächter von Uganda soll mit neuem Video gefasst werden

Das Video über Rebellenchef Joseph Kony schauten fast hundert Millionen Menschen. Jetzt veröffentlicht die Organisation Invisible Children einen neuen Film. Dank dieser Aufmerksamkeit werde der "Schlächter von Uganda" bald gefasst, hofft der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs.


Für ihr erstes Video mussten sie viel Kritik hinnehmen, jetzt rechtfertigen sie sich in einem zweiten: Die US-Kinderhilfsorganisation Invisible Children hat einen neuen Beitrag zum ugandischen Rebellenführer Joseph Kony ins Internet gestellt. Der 20-minütige Film sei eine Antwort auf die Kritik an ihrem Vorgehen, teilte die Organisation mit Sitz im kalifornischen San Diego mit.

Das erste Video "Kony 2012" hatte sich im März rasant verbreitet: Fast 90 Millionen Menschen haben es seitdem bei YouTube angeklickt. Mit dem ersten Video wollte die Kinderhilfsorganisation auf die Gräueltaten Konys aufmerksam machen, der immer noch nicht gefasst ist.

Experten kritisierten später die hochemotionale, aber wenig fundierte Darstellung des Problems. Die Organisation würde eine vereinfachende, veraltete und undifferenzierte Sicht auf den Konflikt in Uganda und auf die LRA vertreten, letztere gilt heute als eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt. Kurz nach der Veröffentlichung hatte der Regisseur Jason Russell einen Zusammenbruch erlitten.Ihn habe die Kritik sehr mitgenommen, sagte seine Frau damals.

Der neue Film der Organisation startet ähnlich schnell wie der erste. Diesmal beginnt er allerdings mit Nachrichtenschnipseln, mit Bildern von jenen Nachrichtensendungen, die das erste Video thematisiert hatten. "Kritiker sagen, der Film manipuliere die Fakten", sagt dabei einer der Nachrichtensprecher. Und: "Sie haben keine Ahnung, wovon sie reden."

Der Sprecher im Video sagt dann, das neue Video solle die Kampagne erklären, zeigen, was für Fortschritte sie bisher gemacht haben und wie junge Menschen motiviert werden können, sich für andere zu engagieren. Tausende Menschen hätten E-Mails geschrieben, nachdem sie das erste Video gesehen hätten, sagt ein Mitarbeiter von Invisible Children im zweiten Film, sie hätten nach mehr Informationen verlangt. Das Video endet mit einem Hinweis auf den 20. April, an diesem Tag soll die Kampagne das Internet verlassen und Menschen weltweit sollen Kony-T-Shirts tragen, Plakate kleben, Flyer verteilen, Schilder aufstellen.

Diese weltweite Aufmerksamkeit helfe, den flüchtigen "Schlächter von Uganda" zu fassen, glaubt der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshof Luis Moreno-Ocampo. Er sucht Kony wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Vergewaltigung und Zwangsrekrutierung von Kindern. "Ich glaube, Kony wird dieses Jahr gefasst", sagte er. Durch die internationale Aufmerksamkeit sei die Suche nach ihm angekurbelt worden. "Jetzt bestehen die Bürger der Welt darauf", so Moreno-Ocampo, "und das hilft sehr."



insgesamt 7 Beiträge
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big-picture.info 07.04.2012
1. Die Propaganda geht weiter...
Zitat von sysopDas Video über Rebellenchef Joseph Kony schauten fast hundert Millionen Menschen. Jetzt veröffentlicht die Organisation Invisible Children einen neuen Film. Dank dieser Aufmerksamkeit werde der "Schlächter von Uganda" bald gefasst, hofft der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826291,00.html
Nachdem der Sprecher von InvisibleChildren einen psychischen Zusammenbruch erlitt und als Flitzer nackt durch die Straßen rannte, wird nun mit einem Rechtfertigungs-Video die Propaganda aufrechterhalten. Nicht nur der Klick-Ansturm auf das erste Video auf YouTube war fragwürdig, auch das Statement, das Video sei ein Experiment, sollte aufmerksam machen. Lasst euch nicht manipulieren! Was wird nun 20. April passieren? Werden die Menschen dem Aufruf blind folgen und die Straßen mit Plakaten tapezieren? Wird der Forderung, Truppen nach Uganda und in den Sudan zu schicken, weiter nachgegangen werden? Letztlich geht es doch nur um das Afrikanische Öl, das 2006 entdeckt wurde... Kony 2012 - Anschauen!!! - Diskussionsforum - The Big Picture (http://www.big-picture.info/board/german/P2/36)
aramcoy 07.04.2012
2. Marketing - aber wofür?
Ich werde das Gefühl nicht los, dass hier jemand mit einer ganz miesen Masche einfach Geld verdienen will. Ich habe dafür keine Belege, und ehrlich gesagt ist es mir auch ziemlich egal ob irgend ein afrikanischer Kriegsverbrecher mehr oder weniger von irgend jemand verurteilt wird. Wir haben genug aktuelle Kriegsverbecher bei unseren Verbündeten. Aber wie gesagt, dieses komische Gefühl, hier zockt einer gewaltig auf der Mitgefühlmasche ab, bleibt.
headcase 07.04.2012
3. Naja
Zitat von sysopDas Video über Rebellenchef Joseph Kony schauten fast hundert Millionen Menschen. Jetzt veröffentlicht die Organisation Invisible Children einen neuen Film. Dank dieser Aufmerksamkeit werde der "Schlächter von Uganda" bald gefasst, hofft der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826291,00.html
Soso, der Schlächter von Uganda. Was sind wir doch wieder humanitär drauf, im guten Westen. KenFm hat das ganz gut zusammengefasst: KenFM über: Joseph Kony 2012 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=7aaH6fX3XT8)
roland.vanhelven 07.04.2012
4. wie immer
Zitat von sysopDas Video über Rebellenchef Joseph Kony schauten fast hundert Millionen Menschen. Jetzt veröffentlicht die Organisation Invisible Children einen neuen Film. Dank dieser Aufmerksamkeit werde der "Schlächter von Uganda" bald gefasst, hofft der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,826291,00.html
nun ja, Kony wurde vor sechs jahren zum letzten mal gesehen und wird fuer tot gehalten, und niemand in Uganda spricht ueber ihn. vielmehr sollen hier die Chinesen aus Afrika geworfen werden, die oel, diamanten und seltene erden mit gold kaufen. der praesident von Uganda, der vom westen unterstuetzt wird, hat uebrigens auch kinder soldaten, genau wie sie Sudanesische Liberation Army. die zahl seiner opfer ist mindestens sechsstellig. die UN resolution fuer die invasion aller Afrikanischen laender ist vor wenigen wochen unterzeichnet worden. aber davon wird in den westlichn medien nicht viel berichtet. warum wohl...
vlupme 07.04.2012
5. Pony 2012
Was soll es für Auswirkungen für einen Kony haben, wenn Nutzer von sozialen Netzwerken das Video anschauen und weiterverbreiten, dann noch die T-Shirts tragen? Klingt eher nach einer viralen Marketingkampagne einer Firma und nicht nach einer gemeinnützigen Organisation. Das Geld für das Video,Plakate etc wäre doch in Projekten in Afrika besser aufgehoben. Da das große Problem von Afrika ist kein Warlord ist mit einer schwindenden Anhängerschaft, der sowieso nicht mehr in Uganda ist, sondern fehlende Bildung und Überbevölkerung. Diese Kampagne hat die Qualität eines Kettenbriefes der nur eine US-Intervention schmackhaft haben soll, den die ersten US-Soldaten in Vietnam waren ja auch nur "Berater".
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