Irak Al-Qaida ruft zur Tötung von US-Soldaten auf

Heftige Kämpfe in Iraks Hauptstadt und neue Drohungen der al-Qaida: Das Terrornetzwerk hat dazu aufgerufen, US-Soldaten zu töten und die Leichen dem US-Präsidenten George W. Bush zu widmen - in Bagdad traf überraschend Außenministerin Rice ein.

Bagdad - US-Außenministerin Condoleezza Rice ist am Sonntag zu einem unangekündigten Besuch in der irakischen Hauptstadt Bagdad eingetroffen. Rice erklärte, sie wolle um weitere Unterstützung der Sunniten und Kurden für die schiitische Regierung werben. Sie sagte, das harte Vorgehen von Ministerpräsident Nuri al-Maliki gegen Milizen in Basra im März habe zu ermutigenden Signalen sunnitischer und kurdischer Politiker geführt. Rice sprach von einem "Zusammenwachsen einer Mitte in der irakischen Politik". Darauf wolle sie aufbauen.

Irakische Einsatzkräfte in Basra: Offensive gegen Milizen

Irakische Einsatzkräfte in Basra: Offensive gegen Milizen

Foto: Getty Images

Rice rief die arabischen Nachbarstaaten zu mehr Pflichtbewusstsein in den Beziehungen zum Irak auf. "Die Nachbarstaaten könnten mehr tun, um ihre Pflichten zu erfüllen", sagte Rice während eines Zwischenstopps auf dem irischen Shannon-Flughafen vor Journalisten. Die Außenministerin wollte am Dienstag in Kuweit an einer internationalen Irak-Konferenz teilnehmen.

Zuvor war es im Irak zu heftigen Gefechten zwischen US-Soldaten und irakischen Extremisten in der irakischen Hauptstadt gekommen. Ein Sprecher des US-Militärs sprach schlicht von der "heißesten Nacht" Bagdads seit Wochen: Im Stadtteil Sadr City lieferten sich US-Militär und irakische Extremisten in der vergangenen Nacht schwere Kämpfe, US-Angaben zufolge wurden 20 Menschen getötet, es gab Dutzende Verletzte, die in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Die Kämpfe dauerten am Sonntag an. Polizeiangaben zufolge starben dabei auch zwei Kinder.

Der schiitische Milizenführer Muktada al-Sadr hatte mit einer neuen und zeitlich unbegrenzten Offensive im Irak gedroht. Wenn die Regierung in Bagdad die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen seine Anhänger nicht einstelle, werde er ihnen den Krieg erklären, teilte der Prediger am Samstag mit. Dies sei die letzte Warnung an die Regierung. Sadr City ist zu einem der zentralen Schauplätze des Machtkampfs zwischen der Miliz von al-Sadr und den US-amerikanischen und irakischen Streitkräften geworden.

"Kampf bis zur Befreiung"

Sadr verglich die Regierung in Bagdad in seiner Stellungnahme mit dem Regime des früheren Machthabers Saddam Hussein, der die schiitische Mehrheit im Land unterdrückte. Die Regierung des schiitischen Ministerpräsidenten Maliki kritisiert der Prediger vehement, da sie sich nicht um einen Abzug der US-Soldaten bemühe. Notfalls wolle er "bis zur Befreiung" kämpfen, erklärte er am Samstag. Ein Offensive der Mahdi-Miliz wäre auch für die USA ein herber Rückschlag. Die Verbesserung der Sicherheitslage im Irak wurde von führenden US-Generälen auch mit der Waffenruhe der Sadristen begründet. Die US-Soldaten könnten bei einem Ende der Waffenruhe wieder verstärkt zur Zielscheibe werden.

Ein Mitglied des im irakischen Parlament vertretenen Sadr-Blocks warnte jetzt die Vereinigten Staaten: Sollte das US-Militär nicht sofort die Angriffe auf die Sadr-Milizen beenden, "behalten wir uns alle Optionen offen", sagte Fawzi Tarzi laut einem CNN-Bericht.

Auch al-Qaida drohte mit neuer Gewalt. Der Anführer des Terrornetzwerks im Irak kündigte eine vierwöchige Offensive gegen die amerikanischen Truppen an. Eine Stimme, bei der es sich um jene Abu Ajjub al-Masris handeln soll, erklärte in einer Tonbandaufnahme, man werde die US-Opfer dem Präsidenten George W. Bush widmen. Die Erklärung erschien am Samstag auf einer Website militanter Islamisten. "Jede Einheit sollte den Kopf eines Amerikaners als Geschenk für den Scharlatan Bush präsentieren", sagte die Stimme weiter. Die Anhänger der al-Qaida wurden aufgefordert, sich hinter Masri zu stellen und seinen Anweisungen zu folgen.

Als weiteres Ziel außer den US-Soldaten wurden sunnitische Stammesführer und ehemalige Aufständische genannt, die inzwischen die Seiten gewechselt haben und nun den Kampf gegen die al-Qaida unterstützen. Auch der schiitische Milizenführer Muktada al-Sadr drohte mit einer neuen und zeitlich unbegrenzten Offensive im Irak. Wenn die Regierung in Bagdad die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen seine Anhänger nicht einstelle, werde er ihnen den "offenen Krieg" erklären, teilte der Prediger am Samstag mit. Dies sei die letzte Warnung. Die Regierung solle endlich den Weg des Friedens einschlagen und damit aufhören, die eigene Bevölkerung zu bekämpfen.

Auch in anderen Teilen des Landes kam es zu Gewalt: In der südirakischen Stadt Basra starteten die irakischen Streitkräfte eine Offensive gegen Hochburgen von Milizen. Es habe kaum Widerstand gegeben, hieß es. Am Sonntag überfielen Aufständische bei Bakuba drei mit Studenten besetzte Kleinbusse und entführten deren Fahrer. Die Studenten wurden nach Polizeiangaben freigelassen.

hen/AFP/AP

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