Irak Alle Zeichen stehen auf Krieg

Die Anzeichen für einen Krieg gegen den Irak verdichten sich. US-Präsident Bush hat das Komprimissangebot Saddam Husseins im Zusammenhang mit den Uno-Waffeninspektionen rigoros abgelehnt. Selbst das sonst relativ zurückhaltende Hamburger Orient-Institut geht von einem nahe bevorstehenden Militärschlag aus.


Saddam Hussein. Möglicherweise steht ein Krieg gegen ihn kurz bevor
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Saddam Hussein. Möglicherweise steht ein Krieg gegen ihn kurz bevor

Hamburg/Prouts Neck - Der Direktor des Instituts, Udo Steinbach, sagte der "Bild am Sonntag": "Ich gehe davon aus, dass es bald losgeht." Ein Militärschlag gegen den Irak würde nach Steinbachs Einschätzung Tausende Opfer auf beiden Seiten zur Folge haben. "Intern rechnen die Amerikaner mit 40.000 Gefallenen." Die USA und Großbritannien müssten mit rund 250.000 Soldaten in das Land eindringen und sich auf einen langen Einsatz mit Straßenkämpfen einrichten. Nach Einschätzung des Terrorismus-Experten Rolf Tophoven könnte der irakische Staatschef Saddam Hussein im Falle eines Krieges auch biologische und chemische Waffen einsetzen.

Bush sieht keine Veränderung

George W. Bush hatte am Samstag deutlich gemacht, dass er in dem irakischen Angebot, den Chef der Uno-Waffeninspektoren zu Gesprächen in Bagdad zu empfangen, keinen Fortschritt sieht. "Nichts hat sich verändert", sagte Bush am Samstag nach einer Veranstaltung seiner republikanischen Partei in Prouts Neck im US-Staat Maine. Auf der Veranstaltung hatte er betont, seine Regierung werde die Freiheit verteidigen, koste es, was es wolle". Auf eine Frage von Journalisten zum Thema Irak sagte der Präsident: "Sie haben gehört, was ich gesagt habe. Ich bin ein geduldiger Mensch. Ich werde alle Mittel einsetzen, die uns zur Verfügung stehen."

Der irakische Außenminister Nadschi Sabri hatte sich am Donnerstag in einem Brief an Uno-Generalsekretär Kofi Annan dafür ausgesprochen, die noch offenen Fragen zum irakischen Rüstungsprogramm in Gesprächen mit Chefinspektor Hans Blix zu klären. Dazu solle Blix möglichst bald nach Bagdad kommen. Die Rüstungskontrollen der Vereinten Nationen wurden nach dem Golfkrieg von 1991 als Teil des Waffenstillstandsabkommens vereinbart, sind aber seit Dezember 1998 unterbrochen.

Der Sturz Saddam Husseins könnte nach einer Analyse der Nachrichtenagentur Reuters weltweit massive ökonomische Veränderungen nach sich ziehen. Nach einem Machtwechsel könnte der Irak Experten zufolge wieder ungebremst Öl produzieren und zu einem wichtigen Handelspartner zahlreicher Staaten werden - mit massiven Folgen für die wirtschaftlichen Interessen in der Region.

Irak ist der Staat mit den zweitgrößten Ölvorkommen weltweit. Eine größeren Fördermenge würde den Wettbewerb zwischen den Staaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) erhöhen und könnte sinkende Preise zur Folge haben. Vor allem Saudi-Arabien, das etwa zwei Drittel seiner Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft bezieht, könnte unter der irakischen Konkurrenz leiden. Als größte Nutznießer könnten sich hingegen US-Ölkonzerne erweisen, die die irakischen Ölreserven fördern wollen.

Der Irak hat Verträge für die Förderung und den Export seiner Öl-Reserven mit Unternehmen aus Staaten geschlossen, die der Führung in Bagdad politisch genehm erscheinen, etwa Russland, Frankreich und China. Saddams Nachfolger könnten andere Präferenzen setzen.

Der irakische Experte des Beratungsunternehmens Petroleum Finance Co. (PFC), Raad Alkadiri, meint, es sei zwar unklar, ob der Irak nach einem Machtwechsel internationalen Unternehmen einen leichten Zugang ermöglichen werde. "Aber letztlich könnte sich durch eine Rückkehr des Irak das Umfeld für Investitionen radikal ändern."

Auch die Handelsbeziehungen des Irak könnten Alkadiri zufolge nach einem Machtwechsel in Bagdad neu geordnet werden. Nach einer Uno-Erhebung bezieht der Irak seit dem Beginn des Uno-Programms "Öl für Lebensmittel" 1997 vor allem Importe aus Frankreich, Russland und China. Alle diese Länder verfügen als ständige Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats in dem Gremium über ein Veto-Recht. Im Uno-Sicherheitsrat wird über die Sanktionen entschieden. Werden diese aufgehoben, könnte die Bedeutung der drei Staaten für den Irak sinken.

Zu den Verlierern eines Machtwechsel im Irak könnten Alkadiri zufolge auch Ägypten und Syrien gehören. Der Irak könnte künftig Güter von großen internationalen Konzernen importieren statt qualitativ niedrigerer Produkte aus den beiden Staaten, sagt der Experte.



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