Irak-Angriff Bush im Broccoli-Feld

Von Alexander Schwabe


Wie der Vater so der Sohn. Politische Beobachter in Washington wussten es schon zum Amtsantritt von George W. Bush: Der Mann ist die Kopie seines Vaters. Sein einziges Ziel: Es ihm gleich zu tun. Kaum einen Monat nach dem Amtsantritt von George dem Jüngeren scheint sich an einem einzigen Tag zu bestätigen, was die Analytiker zu erkennen meinten - auf bizarre Weise.

Erstens: Bush senior war es, der zur "Operation Wüstensturm" blies. Und nun zielt die erste signifikante außenpolitische Aktion seines Sohnes genau auf dasselbe Ziel. Zweitens: Zur Zeit, da die amerikanischen Generäle und Piloten im Irak aktiv wurden, was macht da Mr. President? Er kostet Broccoli in Mexiko.

Und auch in dieser Geschmacksfrage ganz der Sohn seines Vaters: Ein Grünzeug-Verächter. Der Daumen ging nach unten als er bei seinem ersten Auslandsbesuch auf der Farm des mexikanischen Präsidenten Vicente Fox - ein Areal staubiger Broccoli-Felder - gefragt wurde, wie er zu dem Gemüse stehe. Zuerst hatte er unentschieden mit der Hand gewackelt, dann sein Gesicht verzogen und schließlich zeigte der Daumen nach unten.

Der Unterschied: Als der alte Bush 1990 seine Verachtung für Broccoli preisgab ("Ich bin der Präsident der Vereinigten Staaten und esse keinen Broccoli"), brachte ihm das die Wut der US-amerikanischen Farmer ein. Kalifornische Züchter schickten ihm nahezu fünf Tonnen von dem Zeug nach Washington - was in Suppenküchen für Obdachlose verarbeitet wurde. Bush junior hat aus den Fehlern seines Vaters politisch gelernt. Er hat kapiert: Will man auf hohe Diplomatie verzichten, macht man dies am besten auf ausländischem Boden.



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