Irak-Anhörung Die Stunde der Kriegsmüden

Bei der Anhörung von General Petraeus im US-Senat richteten sich alle Augen auf die Präsidentschaftskandidaten. Clinton, Obama und McCain spielten aber gar nicht die Hauptrolle - sondern Senatoren beider Parteien, die ihrer Frustration über die Lage im Irak freien Lauf ließen.

Von , Washington


Washington - Als Barack Obama den Raum 216 des US-Senatsgebäudes betritt, sind General David Petraeus und Bagdad-Botschafter Ryan Crocker schon seit knapp fünf Stunden im Einsatz. Am Dienstag Vormittag hat das Duo bereits vor dem Streitkräfteausschuss zur Lage im Irak ausgesagt, in dem Obamas Parteirivalin Hillary Clinton und Republikaner John McCain Mitglieder sind.

Obama, Petraeus und Clinton im Senat: Kein Tag für den raschen O-Ton
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Obama, Petraeus und Clinton im Senat: Kein Tag für den raschen O-Ton

Jetzt ist der Auswärtige Ausschuss dran, mit Obama. Und das Erscheinen des führenden demokratischen Präsidentschaftsbewerbers erhöht schlagartig die Dramatik: Fotografen drängeln sich, Live-Blogger, die gerade noch komplizierte Rückzugspläne analysierten, posten nun aufgeregt, welches Kaugummi Obama eigentlich kaue. Ein Senator deutet bei seinen Bemerkungen zu Obama und sagt, dort sitze ja ein möglicher neuer Präsident. Als die Sitzung sich zieht, räumt ein anderer Senator sogar seinen Platz auf der Rednerliste - um nur nicht Obamas Terminplan durcheinander zu bringen. Ganz Washington scheint einen Auftritt des "politischen Rockstars" entgegenzufiebern.

Doch der kommt nicht. Als Obama um kurz nach 17 Uhr endlich Petraeus und Crocker befragen kann, formuliert er tastend wie der Jura-Dozent, der er kurz auch mal war. Der Senator spricht über Zeitpläne, über diplomatische Initiativen und al-Qaida. Er ringt erkennbar um die Definition erreichbarer Ziele für den Irak. Vielleicht ein Land, in dem es zwar noch Korruption gibt, aber keine Gewalt? Das zwar nicht perfekt demokratisch sei, aber auch keine Gefahr für die Nachbarn? Obama redet und redet, seine Fragezeit läuft ab. Fast schuldbewusst blickt er zu seinen Kollegen: "Ich versuche, hier eine Idee von der Endphase zu erreichen. Das versuchen wir doch alle."

Fortschritte, die niemand sehen will

Aber Obamas ungewohnt gedämpfter Ton ist bezeichnend. Es ist kein Tag für den raschen "O-Ton" im Wahlkampf. Und das nicht nur, weil die Präsidentschaftsbewerber sich partout präsidial präsentieren wollen. Sondern weil Washington längst nicht mehr diskutieren mag, ob die Truppenerhöhung im Irak erfolgreich war. In seinem Einführungsvortrag hat Petraeus das ja bereits darzulegen versucht. Der General zeigte Grafik um Grafik. Kurven über die Anschläge, getötete Zivilisten, Selbstmordattentate. Alle Kurven zeigen nach unten - ein klarer Fortschritt. Aber es schaute niemand richtig hin.

Die Volksvertreter treibt vielmehr um: Sind die Fortschritte ausreichend? Kippt der positive Trend wieder, wenn die 30.000 Zusatzsoldaten bis Juli heimkehren? Wie steht es um die politischen Fortschritte, denen die Truppenerhöhung ja den Weg ebnen sollte? Und vor allem: Wie viele US-Soldaten sollen wie lange im Land bleiben?

Am Vormittag hat Clinton diese Bedenken schon vorgetragen. "Wir sehen immer noch nicht genug Fortschritt", klagt sie - und wirbt wie Obama für einen geordneten Rückzug. Sie fragt den General: "Welche Bedingungen müsste es geben, damit sie dem Präsidenten sagen, dass die aktuelle Strategie nicht funktioniert?"

Selbst der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain nutzt die Anhörung kaum, um wie sonst so oft für das Durchhalten im Irak zu werben. "Wir starren nicht länger in den Abgrund der Niederlage", beginnt er zwar. McCain betont erneut, dass er die Rückzugspläne der Demokraten für unmoralisch hält. Doch er stellt auch kritische Fragen an Petraeus - etwa über die jüngsten Rückschläge im Süden Iraks, als die Armee von Iraks Premier Nuri al-Maliki sich bei einer Attacke gegen schiitische Rebellen eine blutige Nase holte. Rund 1000 irakische Soldaten desertierten einfach. "Das war enttäuschend", brummt McCain.

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