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20. Dezember 2015, 18:36 Uhr

Flugblätter mit Warnungen

Iraks Armee bereitet offenbar Angriff auf Ramadi vor 

Die Botschaft der Armee-Flugzettel ist klar: Bewohner haben 72 Stunden Zeit, die irakische Stadt Ramadi zu verlassen - mit Ausweispapieren. Offenbar plant Iraks Militär einen Großangriff auf die IS-besetzte Stadt.

Ist das der Auftakt für die entscheidende Offensive zur Rückeroberung von Ramadi? Die irakischen Streitkräfte haben die Bewohner aufgefordert, die von der Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) kontrollierte Stadt im Westen des Landes binnen 72 Stunden zu verlassen. Flugzeuge warfen nach Angaben eines Armeesprechers am Sonntag über dem Stadtgebiet Flugblätter mit dem Aufruf ab, auf denen auch sichere Ausfallrouten genannt worden seien.

Zudem seien die Menschen aufgefordert worden, gültige Ausweispapiere mitzuführen. Dies deute darauf hin, dass eine Offensive zur Rückeroberung des Stadtzentrums bevorstehe, sagte ein ranghoher Militär.

In der vergangenen Woche hatten die Streitkräfte Erfolge beim Vormarsch auf Ramadi vermeldet. Die Hauptstadt der Provinz Anbar war im Mai vom IS eingenommen worden. Derzeit haben sich nach irakischen Geheimdienstinformationen noch bis zu 300 IS-Kämpfer im Stadtzentrum verschanzt.

Ein möglicher Erfolg wäre für die Streitkräfte ein wichtiges Signal. Denn bisher ist es ihnen, trotz vieler Ankündigungen, nicht gelungen, das nur rund hundert Kilometer von der Hauptstadt entfernte Ramadi zurückzuerobern.

Zuletzt gab es Ende November eine entsprechende Erklärung, damals waren die Bewohner über das Fernsehen zur Flucht aufgefordert worden. Nach Angaben der Armee versucht der IS jedoch, die Bürger am Aufbruch zu hindern. Laut Augenzeugen sollen die Dschihadisten gedroht haben, all jene zu töten, die aus der Stadt fliehen wollen.

Einem Militärsprecher zufolge betrachten die Terroristen die rund 50.000 Bürger unter ihrer Kontrolle als Geiseln. Demnach mussten Familien, die versuchten, Ramadi zu verlassen, eine Strafe von umgerechnet mehr als 5600 Euro pro Familie an den IS zahlen.

jok/Reuters

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