Irak Attentäter sprengt Tigris-Brücke in die Luft

Der Anschlag hat eine völlig neue Dimension: Ein Autobomber hat heute auf einer wichtigen Brücke in Bagdad seine Ladung gezündet, Fahrzeuge stürzten in den Fluss, mehrere Menschen starben.


Bagdad - Bei einem Bombenanschlag auf einer der wichtigsten Tigris-Brücken in Bagdad sind offiziellen Angaben zufolge bis zu acht Menschen getötet worden. Andere Quellen sprachen von bis zu zehn Toten. Durch die Gewalt der Explosion stürzten Teile der im Norden der irakischen Hauptstadt gelegenen Brücke sowie mehrere Autos in den Fluss. Polizeiboote und Taucher suchten nach Überlebenden, während US-Hubschrauber über dem Tatort kreisten.

Über der Brücke stand eine dicke Rauchwolke. Der Anschlag wurde vor Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs verübt.

Der Ausfall der Sarafija-Brücke dürfte das durch viele Kontrollpunkte verursachte Verkehrschaos mit unzähligen Staus weiter verschärfen. Zwei der zwölf Tigris-Brücken wurden schon früher aus Sicherheitsgründen gesperrt. Die Sarafija-Brücke gehörte nach Angaben der Verkehrspolizei nicht dazu, weil sie Stadtteile verbindet, die nicht als besonders gewalttätig eingestuft wurden.

Die Brücke wurde hauptsächlich von Händlern benutzt, die vom Bagdader Zentrum aus Märkte im Norden der Stadt mit Waren beliefern. "Die Terroristen haben die Brücke zerstört. Jetzt müssen wir unter noch mehr Staus leiden", sagte ein Polizist.

Die Flussquerung wurde in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von den Briten gebaut. Sie war ursprünglich eine Straßen- und Eisenbahnbrücke. Die Gleise wurden Anfang der siebziger Jahre jedoch entfernt, um mehr Platz für den Autoverkehr zu schaffen.

In einer groß angelegten Militäroperation haben amerikanische und irakische Soldaten versucht, in den vergangenen zwei Monaten die Aktivitäten von Todesschwadronen einzudämmen. Allerdings kommt es nach wie vor zu Bombenanschlägen mit Autos und Lastwagen.

Die Lage der Bevölkerung hat sich nach Angaben des Rotes Kreuzes trotz der Offensive weiter verschlechtert. "Das beständige Leiden der irakischen Männer, Frauen und Kinder ist unerträglich und nicht hinnehmbar", sagte Pierre Krähenbühl vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts über die Lage der irakischen Zivilbevölkerung. "Die internationale Gemeinschaft muss mehr tun, um der Zivilbevölkerung im Irak zu helfen", so der IKRK-Direktor für Auslandseinsätze.

jaf/AP/Reuters



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