Irak Bagdad badet im Blut

Es war wieder ein blutiger Tag im Irak: Tote in Bagdad, Tote in Basra, Tote in Hibhib. Ob beim Einkaufen, auf dem Weg zur Moschee oder zur Arbeit - ein Anschlag kann jeden jederzeit treffen. Die alltägliche Wiederkehr der Meldungen lässt die Grausamkeit der einzelnen Taten  verblassen.


Bagdad - Dieser Tag brachte wieder Dutzende Tote. Dutzende unbeteiligte Opfer von willkürlichen Anschlägen - plötzlich aus dem Leben gerissen. Sie hinterlassen Familien und Freunde in Trauer und Leid. 

Blut im Gesicht, Angst in den Augen: Dieses Mädchen wurde in Hibhib bei einem Anschlag nahe einer Moschee verletzt.
AFP

Blut im Gesicht, Angst in den Augen: Dieses Mädchen wurde in Hibhib bei einem Anschlag nahe einer Moschee verletzt.

Alltag im Bürgerkrieg.

In Bagdad wurde ein Ingenieur erschossen, der am Flughafen arbeitete. Im Hauptstadtbezirk Kasimijah entdeckte die Polizei die Leichen von vier Männern. Sie waren an den Händen gefesselt und erschossen worden. Im Stadtteil Dora verübten Unbekannte einen Anschlag auf eine Polizeipatrouille und töteten einen Polizisten, vier weitere wurden verletzt. In einem Abwasserkanal im Westen von Bagdad wurden die Leichen von zwei jungen Frauen entdeckt - mit Kopfschüssen getötet. In der Innenstadt fand die Polizei einen toten Mann mit Schusswunden an Kopf und Oberkörper.

In Basra im Süd-Irak starben bei einem Autobombenanschlag an einer Tankstelle mindestens zehn Menschen. Nördlich der Hauptstadt Bagdad in Hibhib starben ebenfalls zehn Menschen, als eine in einer Tasche deponierte Bombe vor einer sunnitischen Moschee explodierte. 15 Menschen wurden verletzt - auch Kinder.

In Bagdad lieferten sich zudem irakische und amerikanische Soldaten schwere Kämpfe mit Aufständischen entlang der Haifa-Straße im Stadt-Zentrum. Dabei wurden drei Polizisten und fünf irakische Soldaten verletzt, hieß es in Kreisen des Innenministeriums. In die Kämpfe waren nach offiziellen Angaben Milizionäre des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr verwickelt. Es wurden auch Werfergranaten eingesetzt. Die Haifa-Straße war eine frühere Rebellenhochburg, die im vergangenen Jahr von US-Truppen bei einem Großeinsatz gestürmt wurde. Seither kommt es dort aber immer wieder zu Gefechten rivalisierender Rebellen der verschiedenen Moslem-Gruppen Schiiten und Sunniten. Sadr hat bereits zwei Aufstände gegen die Besatzungstruppen und die irakischen Streitkräfte angeführt. Einige seiner Anhänger sind Mitglieder der regierenden Schiiten-Allianz.

Nach den Kämpfen verhängte die irakische Regierung für einige Stunden eine Ausgangssperre - ein Fahrverbot gilt sowieso jeden Freitag. 

Der neue Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat ein energisches Vorgehen gegen Extremisten im ganzen Land angekündigt und mehrere Groß-Einsätze gegen Rebellen angeordnet. In den vergangenen Monaten hat die radikale al-Qaida-Gruppe wiederholt Anschläge auf Moscheen verübt, die insbesondere zu den Freitagsgebeten voll besetzt sind. Zuletzt kündigte die Organisation Vergeltungsschläge für den Tod ihres Irak-Chefs, Abu Mussab al-Sarkawi, vor zwei Wochen in Hibhib an.

So hat Maliki über die Stadt Basra im vergangenen Monat den Ausnahmezustand verhängt, um die zunehmende Gewalt dort in den Griff zu bekommen.

An den beinahe täglich stattfindenden Anschlägen hat das bisher nichts geändert. Auch US-Präsident George W. Bush steht angesichts von mehr als 2500 getöteten US-Soldaten zunehmend unter Druck, die Truppen aus dem Golfstaat so schnell wie möglich noch in diesem Jahr abzuziehen.

Die US-Streitkräfte gaben heute die Festnahme eines ranghohen al-Qaida-Führers sowie dreier weiterer mutmaßlicher Aufständischer bekannt. Der Hauptverdächtige soll eine Zelle des Terrornetzwerks nördlich von Bagdad geleitet haben. Bei Falludscha wurden nach Militärangaben vier ausländische Aufständische getötet. Zwei von ihnen hätten Sprengstoffgürtel getragen, hieß es weiter.

ler/reuters/AP



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