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09. Juli 2006, 22:23 Uhr

Irak

Bagdads blutiger Tag

Der Teufelskreis aus Gewalt und Gegengewalt zwischen Sunniten und Schiiten dreht sich weiter. Binnen weniger Stunden kamen in Bagdad bei Massakern an Zivilisten und blutigen Anschlägen Dutzende Iraker ums Leben.

Bagdad - In Bagdads Stadtteil Dschihad errichteten Maskierte heute eine Straßensperre und ermordeten mindestens 42 Sunniten. Das Massaker war nach Einschätzung von Beobachtern ein Racheakt für einen Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee, der gestern sieben Todesopfer gefordert hatte.

Irakisches Mädchen im Krankenhaus: Bei Bombenattacke verletzt
AFP

Irakisches Mädchen im Krankenhaus: Bei Bombenattacke verletzt

Seit Ende Februar, als sunnitische Extremisten einen Schiiten-Schrein im Nordirak angegriffen hatten, hält eine Welle von Morden zwischen den beiden Religionsgruppen an. Am Abend explodierten wieder zwei Autobomben an einer schiitischen Moschee und rissen mindestens 17 Menschen in den Tod.

Für das Massaker an den Sunniten machten Polizisten und sunnitische Politiker Mitglieder der von Schiiten dominierten Sicherheitskräfte sowie die schiitische Mehdi-Miliz verantwortlich. "Das Verbrechen bestätigt, dass die Milizen alles daran setzen, das Land in einen religiös motivierten Bürgerkrieg zu treiben", sagte der Chef des sunnitischen Parteienbündnisses Irakische Konsensfront, Adnan al-Dulaimi.

Ein hochrangiger schiitischer Politiker bestätigte, dass Kämpfer der Mehdi-Miliz in das Viertel Dschihad eingerückt seien. Die Miliz gehe aber nur gegen sunnitische Extremisten vor, die Schiiten getötet hätten.

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki bemüht sich intensiv darum, die Spannungen zwischen den unter dem gestürzten Machthaber Saddam Hussein dominierenden Sunniten und der Bevölkerungsmehrheit der Schiiten abzubauen. Er will die Milizen im Land auflösen, die nach Ansicht von Experten eine zunehmende Gefahr für seine Regierung und die nationale Einheit sind.

Auch außerhalb Bagdads starben am Wochenende wieder zahlreiche Menschen. Mehrere Anschläge unter anderem in Kirkuk und Kerbela forderten mindestens 14 irakische Todesopfer. Drei amerikanische Soldaten starben bei einer Militäroperation in der Provinz Al-Anbar.

kp/Reuters/dpa/afp

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