Irak Basra feiert den neuen Chomeini

Der Führer der größten schiitischen Oppositionsgruppe, Ajatollah Mohammed Bakir al-Hakim, ist nach Basra zurückgekehrt. Bejubelt von Tausenden Irakis forderte er die Schaffung eines islamischen Staates.


"ja, Islam, ja al-Hakim": Jubel über die Rückkehr des Ayatollah
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"ja, Islam, ja al-Hakim": Jubel über die Rückkehr des Ayatollah

Basra - Nach 23 Jahren im iranischem Exil kam er zurück und sorgte schon an der Staatsgrenze für Begeisterung. Al-Hakim, Führer des Obersten Rats der Islamischen Revolution im Irak wurde am Grenzübergang Schalamdschah von rund 2.000 Anhängern begrüßt. Sie riefen "Ja, ja, ja, Islam! Ja, ja, ja Hakim!". Später zog der Ajatollah in einem Konvoi von hundert Fahrzeugen nach Basra ein. Seine Anhänger streuten unterwegs Blumen, manche verglichen seine Heimkehr mit der des iranischen Revolutionsführers im Jahr 1979: "Er ist für uns der neue Chomeini", sagte beispielsweise Mohammed Abu al-Saura, ein Einwohner der südirakischen Millionenstadt. "Die Mehrheit des irakischen Volkes will ihn als unseren neuen Führer."

Für einen islamischen Staat: Schiiten-Führer al-Hakim beim Bad in der Menge
AP

Für einen islamischen Staat: Schiiten-Führer al-Hakim beim Bad in der Menge

Al-Hakim wartete nicht lange mit seiner politischen Botschaft. Er forderte umgehend die Schaffung eines islamischen Staats mit einer nicht vom Ausland eingesetzten Regierung im Irak. Schon vor seiner Rückkehr aus Teheran hatte der religiöse Führer gesagt, er kehre zurück, "um den Willen des irakischen Volks zu verwirklichen". Die USA erwähnte er in seiner Rede in Basra mit keinem Wort. "Ich bin ein Soldat des Islams, dienend dem irakischen Volk", sagte er. Rund 10.000 Menschen bejubelten seine Worte.

Die USA wollen nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein verhindern, dass ein Gottesstaat nach iranischem Vorbild im Irak entsteht. Besonders nervös macht sie die Vorstellung, dass ein solches System in einer Wahl demokratisch legitimiert werden könnte. Die Schiiten stellen rund 60 Prozent der irakischen Bevölkerung. Unter Saddam Hussein und seinem sunnitisch dominierten Regime wurden sie unterdrückt und verfolgt.

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