Irak-Bericht Frankreich wütend über US-Schmierkampagne

Die französische Regierung reagierte indigniert auf die schweren Vorwürfe gegen Franzosen im CIA-Abschlussbericht zum Irak. Es sei unerhört, unbewiesene Behauptungen in den Raum zu stellen. Britische Zeitungen wittern ein strategisches Ablenkungsmanöver der Bush-Regierung.

Berlin - Der 1400 Seiten starke Abschlussbericht des Chefs der "Iraq Survey Group" (ISG), Charles Duelfer, entpuppt sich als vieldeutiges und anstößiges Werk. Das französische Außenministerium zeigte sich in einem Statement empört über die Vorgehensweise und Ergebnisse der Inspektoren: Keiner der Bestechungsvorwürfe gegen französische Unternehmer und Politiker sei bewiesen.

Es sei erstaunlich, dass die CIA-Leute die betroffenen Unternehmen und Personen nicht einmal mit den Vorwürfen konfrontiert hätten, bevor sie damit an die Öffentlichkeit gingen, hieß es weiter. Ein nicht namentlich genannter Beamter des französischen Außenministeriums bezeichnete die Vorwürfe gegenüber dem britischen "Independent" als "absurd".

Auch der britische Abgeordnete George Galloway, der dem Bericht zufolge Ölgutscheine von Saddam Husseins Regime erhalten haben soll, teilte mit, er habe in keiner Weise von Hussein profitiert. "Eine Lüge wird nicht dadurch wahrer, dass sie wiederholt wird", sagte er dem "Guardian".

Der ehemalige französische Innenminister Charles Pasqua und der russische Politiker Wladimir Schirinowski hatten den Vorwurf der Bestechlichkeit bereits im Januar zurückgewiesen, als er zum ersten Mal in der Presse auftauchte. Dennoch wurden sie erneut in dem Bericht erwähnt.

In dem ISG-Bericht wird explizit darauf hingewiesen, dass man die 13 Geheimlisten des irakischen Ölministeriums einfach übernommen habe, ohne die Namen und die Zahlen zu verifizieren. Amerikanische Namen wurden allerdings vorsichtshalber von den Listen gestrichen, unter Verweis auf amerikanische Gesetze. Auf den Listen sind all die Personen und Unternehmen verzeichnet, die von Hussein Gutscheine erhalten haben sollen, die zum Bezug irakischen Öls unter Marktpreis berechtigten.

In britischen Zeitungen wird nun spekuliert, dass die Nennung französischer und russischer Günstlinge des Hussein-Regimes von dem eigentlichen Ergebnis des Berichts ablenken soll. "Es wurde gestern anscheinend versucht, die öffentliche Aufmerksamkeit von den fehlenden Massenvernichtungswaffen abzulenken", schreibt der "Independent".

Die konservative US-Zeitung "Wall Street Journal" hatte bereits am Dienstag gewarnt, das "Recyceln" alter Vorwürfe könne als Wahlkampfhilfe für George W. Bush interpretiert werden. In den USA tobt derweil der Kampf um die korrekte Interpretation des Berichts. Sowohl der demokratische Herausforderer John Kerry als auch Präsident George W. Bush sehen sich in ihren Positionen bestätigt. Bush sagte am Donnerstag auf der South Lawn vor dem Weißen Haus, der Bericht zeige, dass Saddam das Uno-Embargo umgangen habe.

Kerry hingegen stellte die Nichtexistenz von Massenvernichtungswaffen als zentrale Botschaft heraus. Der Bericht habe "definitive Beweise" dafür erbracht, warum Bush nicht wiedergewählt werden solle. Der Präsident sei "nicht ehrlich zu den Amerikanern", sagte Kerry.

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