Irak Blutige Rache für Verrat der Saddam-Söhne

Unbekannte haben in Mossul den Bruder des Mannes erschossen, der die beiden Saddam-Söhne Udai und Kussei an die US-Armee verraten hat. Der Tippgeber selber ist seit der Tötung der beiden untergetaucht. Unterdessen bereiten sich die irakischen Behörden auf die Übernahme des Gefangenen Saddam Hussein vor.


Saddam-Söhne Udai und Kussei im März 2003: Rache für den Verrat
REUTERS

Saddam-Söhne Udai und Kussei im März 2003: Rache für den Verrat

Mossul - Salah el-Sidani war in einem Auto unterwegs, als aus einem vorbeifahrenden Wagen das Feuer eröffnet wurde, wie aus Krankenhauskreisen in Mossul verlautete. Sidani war nach Agenturberichten mit mehreren Verwandten unterwegs. Durch die Schüsse wurde er sofort getötet, drei Begleiter - darunter ein achtjähriger Junge - wurden verletzt. Die irakische Polizei bestätigte den Anschlag auf el-Sidani. Bisher ist aber noch nicht klar, ob es sich um eine gezielte Tötung oder eine zufällige Attacke handelt.

Die US-Besatzungsbehörden haben bisher nicht öffentlich bestätigt, wer den entscheidenden Hinweis auf die Söhne des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein lieferte. In Mossul hieß es aber schon kurz nach der Tötung der beiden Söhne, Nawaf el Sidani habe den Tipp gegeben und dafür eine Belohnung von 30 Millionen Dollar erhalten. Er wurde seit dem Tod der Hussein-Söhne nicht mehr gesehen. Medien spekulierten, dass er von den USA in einer Art Zeugenschutzprogramm genommen worden sei und sich in einem westlichen Land aufhalte.

Udai und Kussei waren am 22. Juli vergangenen Jahres in einem Feuergefecht mit US-Soldaten erschossen worden. Auch Kusseis Sohn kam bei dem erbitterten Kampf ums Leben, in dem US-Truppen das Versteck der beiden Söhne mit Granaten und Maschinengewehrfeuer regelrecht zersiebten. Saddam Hussein selber wurde im Dezember in der Nähe von Tikrit gefangen genommen.

Gefangener Saddam Hussein (Juli 2003): Prozesse an den Orten der Greultaten
REUTERS

Gefangener Saddam Hussein (Juli 2003): Prozesse an den Orten der Greultaten

Ebenfalls am Samstag wurden erstmals Planungen der Iraker öffentlich, den gestürzten und gefangenen Diktator Saddam Hussein schon bald von den Amerikanern zu übernehmen. Demnach soll Saddam bald das Gefängnis wechseln. Die neue Übergangsregierung werde nicht das Gefängnis der US-Verwaltung übernehmen, sondern Saddam an einen anderen Ort transportieren, wo er dann bis zu seinem Prozess gefangen gehalten werde, sagte der Sprecher der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) in Bagdad, Adel Murad, der Nachrichtenagentur dpa.

Das Gerichtsgebäude für die Prozesse gegen die Funktionäre des alten Regimes sei schon fertig gestellt. Seine Partei wolle aber erreichen, dass einige Spitzenfunktionäre des alten Regimes an den Orten ihrer schlimmsten Verbrechen vor Gericht gestellt werden. So solle Ali Hassan el Madschid, der wegen des von ihm geleiteten Chemiegas-Angriffs auf die kurdische Stadt Halabscha "Chemie-Ali" genannt wird, in einem Gebäude neben dem Friedhof von Halabscha der Prozess gemacht werden. Unklar blieb jedoch, welche Rolle die PUK bei der rechtlichen Aufarbeitung des Saddam-Regimes spielt.

Der Vorsitzende des Teams, das die Prozesse vorbereitet, der Bagdader Richter Dara Nureddin, sagte am Samstag auf Anfrage, für die Prozesse gegen die Funktionäre des alten Regimes seien 60 Ermittlungsrichter ernannt worden. "Saddam wird aber wohl nicht der erste sein, der vor Gericht gestellt wird", fügte er hinzu.



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