Irak Bush spricht erstmals von Zeitplan für Truppenabzug

Bisher wollte der US-Präsident sich partout nicht festlegen - jetzt hat Bush erstmals einem "allgemeinen Zeitplan" für den Abzug von US-Truppen aus dem Irak zugestimmt. Damit reagiert das Weiße Haus auch auf immer massivere Forderungen der Regierung in Bagdad.


Hamburg/New York - Gemeinsam mit dem irakischen Premierminister Nuri Kamal al-Maliki kündigte das Weiße Haus an, ein "allgemeiner Zeitplan" für die Reduktion der US-Streitkräfte im Irak sei denkbar. Zuvor hatte Bush die Forderung nach einem Datum für den Beginn des Truppenabzugs, den vor allem die Demokraten vehement fordern, stets als gefährlich abgelehnt.

George W. Bush mit US-Marines im Irak (im September 2007): Erstmals einem Zeitplan zum Rückzug grundsätzlich zugestimmt
REUTERS

George W. Bush mit US-Marines im Irak (im September 2007): Erstmals einem Zeitplan zum Rückzug grundsätzlich zugestimmt

Hintergrund der Kehrtwende seien derzeit laufende Verhandlungen über die US-Präsenz im Irak, berichtet die "New York Times" in ihrer Samstagsausgabe. Die irakische Regierung bestehe darauf, dass eine geplante bilaterale Rahmenvereinbarung mit den USA auch einen Passus über einen möglichen Abzug enthalte.

Einige irakische Politiker hätten bereits öffentlich gefordert, der Irak solle spätestens 2012 seine Sicherheitsaufgaben ohne die Hilfe Amerikas bewerkstelligen. Ab 2009 sollten sich die US-Truppen zurückziehen.

Bush Richtungsänderung könnte für den republikanischen Senator John McCain zum Problem werden. Der US-Präsidentschaftskandidat verficht die Linie, die US-Truppen solange im Irak zu belassen, wie dies nötig ist. Er war auch einer der stärksten Befürworter einer Truppenaufstockung im Jahr 2007.

Ein Sprecher des demokratischen Kandidaten Barack Obama begrüßte die Zeitplanankündigung des Weißen Hauses als Schritt in die richtige Richtung. Der Senator aus Illinois setzt sich für eine rasche Truppenreduktion ein.

McCain greift Obama erstmals frontal an

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain greift seinen demokratischen Rivalen Barack Obama in einem am Freitag vorgestellten Fernsehrwerbespot erstmals direkt an und wirft ihm mangelnde Sachkenntnis und Opportunismus vor. Der 30 Sekunden lange Werbefilm soll im landesweiten Kabelfernsehen und in elf besonders umkämpften Staaten im Fernsehen zu sehen sein.

Der Negativspot wirft Obama vor, sich im Senat nie um Afghanistan gekümmert zu haben, seit Jahren nicht im Irak gewesen zu sein und auch die Finanzierung der beiden Kriege nicht unterstützt zu haben. Diese Haltung habe Obama geholfen, sich die Nominierung seiner Partei zu sichern, aber jetzt ändere er seine Positionen, "um Präsident zu werden", behauptet der Spot. Es ist McCains bislang schärfster Angriff auf seinen Senatskollegen.

Iraker besorgt über Abzugspläne

Nach einem Bericht der "Washington Post" sehen viele Iraker Obamas Abzugspläne kritisch. Die Zeitung zitiert Meinungsumfragen, nach denen zwar die Hälfte der irakischen Bürger eine Ende der Okkupation durch das US-Militär wünscht. Gleichzeitig befürworte aber nur eine Minderheit einen sofortigen Abzug.

hil/AP

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