Irak Cheney zieht Vergleich mit Ende des Zweiten Weltkrieges

US-Vizepräsident Dick Cheney erinnert die Situation im Irak an die heftigen Schlachten zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Auch damals habe es verzweifelte Rückzugsgefechte gegen die Alliierten gegeben. Doch letztendlich würden die USA auch diesmal siegreich sein, sagte Bushs Stellvertreter.


US-Vizepräsident Cheney: "Es wird eine Riesen-Erfolgsgeschichte sein"
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US-Vizepräsident Cheney: "Es wird eine Riesen-Erfolgsgeschichte sein"

Washington - Cheney verglich in einem Interview mit dem TV-Sender CNN die Lage im Irak mit den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, als Deutschland die Ardennen-Offensive unternahm und die Japaner heftigen Widerstand auf Okinawa leisteten. Der Vizepräsident verteidigte seine von Oppositionspolitikern bereits im vergangenen Monat scharf kritisierte Formulierung, der Aufstand im Irak befinde sich "im Todeskampf". Dass die Gewalt im Irak noch andauere, sei durch die große Angst der "Terroristen" vor der erfolgreichen Errichtung der Demokratie begründet. "Das wäre eine große Niederlage für sie. Deshalb werden sie alles tun, um es zu verhindern", betonte Cheney. "Ich glaube, die nächsten Monaten werden noch schwierig werden", sagte er. "Ich glaube, es wird noch viel Gewalt und Blutvergießen geben, denn ich denke, die Terroristen werden alles tun, was sie können, um diesen Prozess aufzuhalten." Aber schließlich würden die USA die Aufständischen besiegen. "Es wird eine Riesen-Erfolgsgeschichte sein."

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte zuvor Vorwürfe zurückgewiesen, der Irak-Krieg sei für die USA festgefahren. Zugleich bezeichnete er zuletzt erhobene Forderungen nach einem Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus dem Golfstaat als Fehler. In einer Anhörung vor dem Streitkräfte-Komitee des US-Senats warfen ihm einzelne Senatoren vor, ein Ende des Krieges im Irak sei nicht in Sicht, und die US-Regierung verheimliche diese Tatsache vor dem amerikanischen Volk.

"Wir befinden uns in einem Sumpf"

Ein hochrangiger Kommandeur der US-Truppen für den Nahen Osten erklärte, entgegen den Regierungsberichten verschärfe sich der Kampf der Rebellen im Irak sogar. Rumsfeld zufolge ist eine Verbesserung der Lage im Irak nur möglich, wenn die politischen Reformen in dem Land weiter vorangetrieben werden. Sollten die US-Truppen den Golfstaat verlassen, bevor die irakischen Sicherheitskräfte die Situation unter Kontrolle hätten, würden die Rebellen nur gestärkt, fügte er hinzu. Nach jüngsten Umfragen hat die Zustimmung der US-Bevölkerung zu dem Krieg deutlich abgenommen.

Der Irak-Krieg sei kontinuierlich völlig unkoordiniert geführt worden, kritisierte Edward Kennedy, demokratischer Senator aus Massachusetts. "Nun befinden wir uns anscheinend in einem Sumpf, aus dem nur schwer zu entkommen ist." Unterstützung bekam er von US-General John Abizaid, der erklärte, derzeit kämen mehr ausländische Rebellen in den Irak als noch vor sechs Monaten. "Ich denke, Sie haben Verständnis dafür, dass ich den US-Vizepräsidenten kritisiere", fügte er mit Blick auf die gegenteiligen Äußerungen von Dick Cheney hinzu.

Es sei für die US-Bürger und auch die Armee nicht zumutbar, dem Irak eine unbegrenzte Stationierung von US-Truppen in Aussicht zu stellen, sagte der demokratische Politiker Carl Levin. So müsste Washington bei den Irakern die Einigung auf eine Verfassung anmahnen. "Wenn wir den Irakern das Gefühl geben, wir bleiben im Land, auch wenn sie sich nicht auf eine Verfassung einigen können, verringern sich die Chancen für einen politischen Kompromiss." Diesen aber brauche der Irak, um den Aufstand niederzuschlagen und "eine Nation" zu werden.

Rumsfeld wies die teilweise heftigen Angriffe zurück. Niemand bezweifle, dass die Lage im Irak schwierig sei. "Allerdings ist die Unterstellung, dass Leute - ich oder irgendwer - ein rosiges Bild zeichnen, falsch." Das Land mache große Fortschritte mit seinen politischen Reformen. Die nächsten Schritte, etwa die Ausarbeitung einer Verfassung, dürften aber nicht verzögert werden. Der Abzug der US-Truppen sei derzeit undenkbar, fügte er hinzu. Wer gegenwärtig einen Zeitplan dafür fordere, der werfe den "Terroristen" einen Rettungsring zu. In den vergangenen Monaten hätten die Aufständischen in der irakischen Bevölkerung immer weniger Unterstützung erfahren. Das könnte sich schnell ändern, sollte ein Sicherheitsvakuum entstehen.

Iraks Premier sagt neue Verfassung binnen zwei Monaten zu

Eine neue Verfassung für den Irak wird nach Worten von Ministerpräsident Ibrahim al-Dschaafari bis Ende August fertig gestellt sein. "Wir werden es binnen zwei Monaten schaffen", sagte Dschaafari in Washington. Im Herbst solle die Verfassung dann bei einem Referendum ratifiziert werden, sagte Dschaafari. Bei seinem Treffen mit Bush will er sich für seine Unterstützung bei der Schaffung eines neuen demokratischen Iraks bedanken, erklärte der Regierungschef, der gestern bereits mit Cheney und Sicherheitsberater Stephen Hadley gesprochen hatte. Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan sagte, Bush werde mit Dschaafari über Fortschritte auf politischer Ebene sowie im Hinblick auf die Sicherheit im Irak reden.



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